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23. NOVEMBER 2022

Geld verdienen mit Amazon FBA in der Schweiz: Einfach erklärt

Sie haben bereits Ihren eigenen Online-Shop, sind aber auf der Suche nach weiteren Absatzmöglichkeiten? Haben Sie schon mal vom Amazon FBA Business gehört? Mit diesem Fulfillment-Service können Sie Ihre Produkte auch über den E-Commerce-Giganten Amazon verkaufen. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie und Ihre Kunden von Amazon FBA profitieren können. Unter anderem gehen wir dabei auf die Besonderheiten für Amazon FBA in der Schweiz ein, welche Kostenersparnisse mit dieser Distributionsmöglichkeit realistisch sind und welche Vor- und Nachteile Amazon FBA hat.

In diesem Beitrag


Bereits seit 1994 existiert der Versandhändler Amazon, der zu Beginn nur mit Büchern gehandelt hat. Nachdem die Dotcom-Krise auch dieses Unternehmen hart traf, musste Amazon handeln und brachte den Amazon Marketplace auf den Markt. Auf diesem Marktplatz können seit der 2000er Wende auch andere Unternehmen ihre Produkte verkaufen. Der Amazon-Kunde hat also die Wahl zwischen Produkten, die Amazon verkauft und Produkten, die von anderen Unternehmen verkauft werden.

Über die Jahre kamen neben dem Versandhandel und dem Marketplace noch weitere Angebote hinzu, wie zum Beispiel für Musik und Unterhaltung (Streaming-Dienst). Heute gibt es fast nichts, was man nicht über Amazon bestellen kann. Damit wird Amazon zum grössten Online-Versandhaus der Welt.

«Unternehmensgründungen können an den unterschiedlichsten Orten stattfinden. So zum Beispiel Amazon – das Unternehmen wurde in einer Garage gegründet.»

Was ist Amazon FBA?

Amazon FBA ist ein Distributionskanal über den Online-Versandhändler Amazon und FBA steht dabei für «Fulfillment by Amazon». Das bedeutet, dass Sie als Unternehmer Ihre Produkte über die Amazon-Plattform verkaufen. Sie profitieren dabei vom Kundennetzwerk von Amazon und verkaufen Ihre Produkte über den Amazon Marketplace. Dabei sparen Sie sich Lagerkosten, Logistik und das Retourenmanagement, da Amazon diese Aufgaben übernimmt.

Wenn Amazon also für die Lagerung, die Kommission und den Versand aufkommt, dann handelt es sich um das FBA-Prinzip. Es gibt jedoch auch noch die Variante, dass Unternehmen über Amazon verkaufen, aber die Aufgaben der Lagerung und des Versandes nicht an Amazon abgeben, sondern selbst übernehmen. In diesem Zusammenhang spricht man von FBM, «Fulfillment by Merchant».

Wie oben beschrieben, müssen Sie als FBA-Verkäufer Ihre Produkte nicht selbständig lagern. Sie schicken Ihre Produkte direkt an Amazon. Damit ist Amazon für die Logistik verantwortlich. Vergleichbar ist das mit Dropshipping. Auch beim Geschäftsmodell des Dropshipping brauchen Sie kein eigenes Lager. Ihre Produkte verkaufen Sie beim Dropshipping aber über Ihren eigenen Online-Shop.

Abb.: Der Fulfillment-Prozess.
Abb.: Der Fulfillment-Prozess.

Amazon FBA vs. Amazon FBM

Amazon FBA – Fulfillment by Amazon: Sie verkaufen Ihre Produkte über Amazon. Die Aufgaben der Warenbestellung, Lagerung, Versand, Retourenmanagement übernimmt dabei Amazon für Sie. Der Vorteil: Ihre Kunden können auch vom schnellen Amazon-Prime Versand profitieren.

Amazon FBM – Fulfillment by Merchant: Sie verkaufen Ihre Produkte über Amazon. Sie sind im Vergleich zum FBA selbst für Warenbestellung, Lagerung und Logistik verantwortlich. Sie müssen daher auf Amazon Ihre eigenen AGB und Retourenbedingungen angeben.

Abb.: Amazon-Beispiel für Marketplace Angebote.
Abb.: Amazon-Beispiel für Marketplace Angebote.

Mit welchen Kosten muss ich bei Amazon FBA rechnen?

Die Kosten für den Service bei Amazon FBA zu verkaufen, variieren je nach Produkt. Wir stellen Ihnen hier einige Beispiele vor. Um die gesamte Preisgestaltung von Amazon zu kennen, schauen Sie bitte explizit auf der Webseite von Amazon nach.

Um bei Amazon zu verkaufen, entscheiden Sie sich zunächst, ob Sie sich als Einzelhändler oder als professioneller Verkäufer registrieren möchten.

  • Einzelverkäufer: Verkäufe < 40 Stück pro Monat

  • Professioneller Verkäufer: Verkäufe > 40 Stück pro Monat

Kostenübersicht

Einzelverkäufer

Professioneller Verkäufer

Fixkosten

0.99 Cent pro verkauftem Artikel

39 EUR unabhängig der Anzahl verkaufter Produkte

Zusätzliche Kosten

Lagergebühren

Verkaufsgebühren

Lagergebühren

Verkaufsgebühren

Quelle: Amazon.de, Preise sind in EUR angegeben.

Hinweis

Die Preise für Amazon FBA sind im folgenden in EUR angegeben, da es bisher kein explizites Modell für den Schweizer Markt gibt. Warum das so ist und wie Sie aus der Schweiz trotzdem mit Amazon FBA Geld verdienen können, erklären wir weiter unten im Beitrag.

Wie hoch sind die Gebühren & Lagerkosten?

Die Verkaufsgebühren sind abhängig von der Art des Produktes, dem Verkaufspreis, den Verpackungskosten und von möglichen Geschenkverpackungskosten.

Hier ein paar Beispiele:

  • Beautyprodukte: 8% Verkaufsgebühr bei Endpreisen unter 10 Euro und 15% Verkaufsgebühr bei Preisen über 10 Euro.

  • Babyartikel (ausser Bekleidung): 8% Verkaufsgebühr bei Endpreisen unter 10 Euro und 15% Verkaufsgebühr bei Preisen über 10 Euro.

  • Bekleidung, Schuhe, Handtaschen: 15% Verkaufsgebühr bei Endpreisen bis 45 Euro und 7% bei Preisen über 45 Euro

  • Schmuck: 20% Verkaufsgebühr bei Endpreisen bis 250 Euro und 5% bei Preisen über 250 Euro.

  • Handgemachte Produkte: 12% Verkaufsgebühr.

Die Lagerkosten richten sich nach dem Volumen, das der Verkäufer pro Monat in einem Warenhaus von Amazon beansprucht. In den Monaten Januar bis September sind die Lagerkosten geringer als von Oktober bis Dezember.

Hier ein Beispiel:

Januar – September

Oktober – Dezember

Lagerkosten für Handtaschen

16.69 EUR

23.11 EUR


Auch wenn ein Produkt länger bei Amazon liegt oder wenn es sich beispielsweise um ein Gefahrengut handelt, kommen weitere Kosten auf Sie als Verkäufer zu.

Welche Produkte soll ich mit Amazon FBA verkaufen?

Wenn Sie Amazon FBA nutzen und Ihre Produkte über die Plattform verkaufen möchten, verlangt Amazon für seine Dienste natürlich Gebühren. Wenn Sie noch in der Auswahl der Produkte sind, die Sie anbieten möchten, dann empfiehlt es sich, folgende Kriterien abzuwägen:

Kriterium

Grund

Beispiel

Grösse des Produktes

Je grösser das Produkt, desto mehr Lagerkosten fallen an.

Kleine Produkte wie Nagellacke können Sie mit dem FBA Small and Light noch einfacher verkaufen.

Umschlagsdauer des Produktes

Je schneller Ihr Produkt verkauft wird, desto geringer sind Ihre Lagerkosten.

Hierzu gehören alle Produkte der Kategorie «Fast Moving Consumer Goods», wie Reinigungsmittel oder Kosmetika

(Prognostizierte) verkaufte Menge

Verkaufen Sie eine grosse Stückzahl, können Sie von einer hohen Marge profitieren und als professioneller Verkäufer mit einer fixen Grundgebühr handeln.

HDMI Kabel verkaufen sich ganzjährig in grosser Stückzahl und nehmen keinen grossen Lagerplatz ein.

(K)ein Saisonartikel

Die Lagerkosten sind in den Monaten Oktober bis Dezember höher.

Sonnenstühle verkaufen sich in den Wintermonaten weniger gut und verursachen dann hohe Lagerkosten.

Die ersten Schritte als Amazon FBA Verkäufer

  1. Eröffnen Sie ein Seller Central Konto bei Amazon, also ein Verkäuferkonto, mit Ihrer geschäftlichen E-Mail-Adresse.

  2. Entscheiden Sie, ob Sie Einzelverkäufer oder professioneller Verkäufer werden möchten.

  3. Hinterlegen Sie Ihre Firmenkreditkarte und Ihre Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

  4. Registrieren Sie Ihre Marke bei Amazon.

Mit dem Seller Central Zugang können Sie Ihre Lagerbestände, Verkäufe und Produktseiten jederzeit einsehen und bearbeiten. Das Portal bietet Ihnen einen Rundum-Überblick über alle Verkaufsaktivitäten – auch mobil.

Mehr Informationen »

Welches Startkapital ist nötig?

Wie bei jedem Business, das Sie starten möchten, braucht es ein gewisses Startkapital. Natürlich ist dieses um einiges geringer, wenn Sie mit Amazon FBA durchstarten möchten, als wenn Sie beispielsweise einen eigenen Handwerksbetrieb eröffnen möchten. Hierfür wäre ein viel grösseres Startkapital nötig, da Sie beispielsweise Kosten für Raummiete, teure Maschinen und Rohmaterial einplanen müssten. Dies fällt bei Amazon FBA Business natürlich weg. Dennoch geht es auch hier nicht ohne Startkapital.

Wie wir bereits erwähnt haben, ist der Kundenstamm von Amazon enorm gross. Wenn Sie also planen, über diese Plattform auch Ihre Produkte zu verkaufen, sollten Sie mehr als ausreichend Produkte einplanen. Aufgrund des grossen Menge an Kundschaft müssen Sie damit rechnen, dass Ihre Produkte auch eine grosse Nachfrage erhalten. Es gilt jedoch, ein Mittelmass zu finden, zwischen zu vielen und zu wenigen Produkten. Der grosse Kundenstamm bringt Vorteile, aber ebenso auch eine grosse Konkurrenz mit. Daher empfiehlt es sich, die Konkurrenz vorab zu analysieren, um einschätzen zu können, wie hoch die Nachfrage nach Ihrem Produkt sein wird. Wenn es viele Wettbewerber mit guten und vielen Bewertungen gibt, wird Ihr Umsatz anfangs nicht gleich hoch sein. Eine Überprüfung und Kalkulation sind daher von Vorteil, um Ihr Produktvolumen und damit auch das Startkapital besser abschätzen und berechnen zu können.

Das Startkapital berechnet sich also hauptsächlich aus dem Einkaufspreis Ihrer angebotenen Waren. Wenn Sie zu wenig Produkte auf Lager halten oder nicht schnell nachliefern können, schadet das Ihrem Auftritt auf dem Amazon Marketplace. Als weitere Kosten müssen Sie die Lager- und Versandkosten entsprechend einkalkulieren. Als Schweizer Verkäufer ist es am besten, Sie lassen Ihre Produkte in deutschen Amazon Warenlagern lagern. Die Kosten für die Lagerung variieren dabei je nach Grösse, Gewicht und Saison.


Startkapital berechnen

Ihr ungefähres Startkapital lässt sich demnach folgendermassen berechnen:

Einkaufskosten für X Menge

+

Lagerkosten für Einlagerung von X Menge in Amazon Lagerhaus

+

Amazon Grundgebühr für Amazon Einzelverkäufer oder professioneller Verkäufer

+

Verkaufsgebühren je nach Artikel

+

Kalkulierte Versandkosten

=

Startkapital


Spezialfall Schweiz: Versand, Kosten, Zoll und Steuern

Sie werden es vermutlich schon bemerkt haben, wenn Sie selbst beim Online-Giganten etwas bestellen wollten. Es gibt keine länderspezifische Webseite für die Schweiz. Rufen Sie Amazon in der Schweiz auf, werden Sie je nachdem auf die deutsche, französische oder italienische Länderseite geführt.

Blog amazon fba schweiz

Warum gibt es in der Schweiz kein Amazon?

Die Schweiz gehört nicht zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und hat daher besondere Einfuhrbestimmungen und Zollgebühren. So berechnet die Schweiz beispielsweise die Zollgebühren anhand des Bruttogewichts und nicht anhand des Warenwertes. Das ist ein Mehraufwand für jeden Verkäufer, da er seine Waren separat vor dem Versand wiegen muss.

Während Amazon in den meisten Ländern der Vorreiter für Online-Shopping war, hat der Gigant in der Schweiz zudem den Anschluss verpasst und dadurch konnten Konkurrenten wie brack.ch und galaxus.ch lokal gross werden.

Wie funktioniert nun Amazon FBA in der Schweiz?

Auch aus der Schweiz heraus ist es möglich, mit Amazon FBA Geschäfte zu machen. Ihr Verkäufer-Konto erstellen Sie auf der deutschen Amazon-Länderseite. Damit haben Sie die Möglichkeit, Ihre Ware in Deutschland und der gesamten EU zu verkaufen. Dies macht eine Internationalisierung für Sie um ein Vielfaches einfacher als sich selbst um Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Lagerplätzen und Versandhändlern zu kümmern.

Wenn Sie sich für ein Business mit Amazon FBA aus der Schweiz heraus entscheiden, müssen Sie einige steuerliche Aspekte berücksichtigen. Prinzipiell gilt zwischen der Schweiz und Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit diesem Abkommen soll eine Doppelbesteuerung vermieden werden. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass jeder, der in Deutschland Umsätze erwirtschaftet, diese beim Finanzamt anmelden muss und dafür die Deutsche Umsatzsteuer abführen muss. Auch eine deutsche Steuererklärung ist verpflichtend, sobald man Geschäfte in Deutschland macht. Für Schweizer Unternehmen ist das Finanzamt in Konstanz zuständig. Sobald man sich als Schweizer Unternehmen beim Finanzamt angemeldet hat, erhält man eine sogenannte Umsatzidentifikationsnummer, die man bei der Anmeldung im Seller Center (siehe oben) angeben muss.

Wenn Sie Ihre Produkte bereits in der Schweiz haben und diese an ein deutsches Amazon-Lager senden, müssen Sie zudem Exportzölle beachten. Sie müssen für einen Warenwert über 150 EUR 19% Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Wenn Sie Ihre Waren sowieso aus dem Ausland beziehen (z. B. Asien), dann können Sie diese direkt in das deutsche Amazon-Lager liefern lassen und so die Einfuhrgebühren auslassen.

Grundsätzlich ist es also für Schweizer Unternehmer durchaus möglich, von den Vorteilen von Amazon FBA in Deutschland zu profitieren. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass hierbei auch in Deutschland Steuerzahlungen anfallen und dies mit einem Mehraufwand verbunden ist.

Durchstarten mit Amazon FBA

Sie möchten mit Amazon FBA durchstarten? Am besten ist es, Sie gründen dafür eine eigene Firma. Doch welche Rechtsform ist die Richtige?

Finden Sie die passende Rechtsform für Ihr Unternehmen »

Vor- und Nachteile von Amazon FBA

Vorteile von Amazon FBA

Nachteile von Amazon FBA

  • Zusätzlicher Absatzkanal und damit weitere Umsatzmöglichkeit.

  • Kein direkter Kontakt mit Ihren Kunden, da das gesamte Management über Amazon läuft.

  • Es ist schwieriger, einen loyalen Kundenstamm aufzubauen, da die Kunden Amazon-Kunden sind und nicht direkt Ihre.

  • Für die Auslagerung der Fulfillment-Aufgaben zahlen Sie Gebühren, die sich u. U. zu einer grossen Summe kumulieren können.

  • Sie sparen Lagerkosten.

  • Starke Konkurrenz im Amazon Marketplace.

  • Amazon kümmert sich für Sie um Kommissionierung, Verpackung, Versand und Retourenmanagement.

  • Sie geben Kontrolle ab, denn Ihre bezahlte und eingelagerte Ware unterliegt allein in der Aufsicht von Amazon.

  • Einfache und bequeme Bestell- und Kaufabwicklung für den Kunden.

  • Sie profitieren vom Kundenvertrauen auf Amazon.

  • Einfache Internationalisierung, da Versand in der EU möglich.


Abb.: Auf Amazon können Ihre Kunden immer und überall shoppen – ein bequemes Kauferlebnis für Ihre Kunden.
Abb.: Auf Amazon können Ihre Kunden immer und überall shoppen – ein bequemes Kauferlebnis für Ihre Kunden.

FAQ Amazon FBA

  • Brauche ich einen eigenen Online-Shop, um bei Amazon FBA zu verkaufen?Anders als beim Geschäftsmodell des Dropshipping ist es nicht zwingend erforderlich, einen eigenen Online-Shop zu haben. Es ist jedoch von Vorteil, wenn Ihre Produktbeschreibungen bereits vorhanden sind und zudem haben Sie noch einen weiteren Absatzkanal.

  • Wie entscheide ich, ob FBA oder FBM für mein Business besser geeignet ist? Wenn Sie beispielsweise bereits über ein eigenes Lager verfügen und die Logistik im Griff haben, können Sie Kosten einsparen, indem Sie sich für das FBM-Modell entscheiden. Wenn Sie dagegen noch am Anfang stehen und die logistischen Aufgaben inklusive dem Retourenmanagement gerne ausgliedern möchten, empfiehlt sich FBA.

  • Lohnt sich Amazon FBA? Wie so oft gibt es hier keine allgemeingültige Aussage. Mit den Informationen aus dem Beitrag haben Sie jedoch alle Fakten beisammen, um individuell für sich und Ihre Geschäftsidee zu kalkulieren, ob sich der Schritt in Amazon FBA lohnt oder nicht.

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