Reklamationen als Chance
Laut den Untersuchungen von WEKA zum Kundenverhalten, melden sich nur etwa 4% der unzufriedenen Kunden aktiv und teilen ihr Anliegen mit dem Unternehmen. Die überwältigende Mehrheit von 96 % schwieg bisher und wechselte bei wiederholter Unzufriedenheit stillschweigend zur Konkurrenz.
Wenn sich also ein Kunde meldet, dann hat er auch das Bedürfnis, sich mit dir zu unterhalten und dafür solltest du ein offenes Ohr haben. Die Reklamation als Chance zu begreifen bedeutet, den Kunden nicht als Belastung, sondern als kostenlosen Unternehmensberater zu sehen. Du wirst überrascht sein, was ein solches Gespräch bei dir im Unternehmen und auch beim Kunden bewirken kann. Folgende Tipps solltest du dabei beachten:
Reklamationen richtig behandeln
Reklamationen solltest du niemals persönlich nehmen. Für deinen Kunden ist eine Beschwerde immer etwas sehr Emotionales, weil etwas nicht so funktioniert hat, wie er oder sie es sich vorgestellt hat. Indem du das Problem als deine eigene Mission übernimmst, zeigst du deinem Gegenüber, dass du sein Anliegen absolut ernst nimmst und gibst dem Problem die nötige Wichtigkeit. Kombiniert mit aktivem Zuhören, Paraphrasieren und lösungsorientiertem Handeln wandelst du Kündigungsrisiken direkt in nachhaltige Kundenbindung um.
Höre deinen Kunden konzentriert zu
Oft möchte ein unzufriedener Kunde im ersten Moment vor allem Dampf ablassen. In dieser Phase bist du der Blitzableiter. Nimm die Lautstärke oder den Tonfall keinesfalls persönlich, sondern höre aktiv zu.
Zuhören allein reicht jedoch nicht: Du musst das Anliegen im Kern verstehen. Stelle gezielte Nachfragen und verifiziere die Aussagen des Kunden direkt während des Gesprächs in deiner Software. Nimm deinen Kunden dabei transparent mit und teile ihm live mit, was du auf deinem Bildschirm siehst. Das nimmt sofort die Schärfe aus dem Gespräch, weil der Kunde spürt, dass sein Anliegen unmittelbar bearbeitet wird.
So nimmst du den Kunden im Gespräch mit:
Suchprozess ankündigen: «Ich schaue direkt bei uns im bexio-Konto nach und prüfe, was beim betreffenden Kontakt hinterlegt ist.»
Aussagen direkt bestätigen: «Stimmt, diese Rechnung sehe ich hier auch gerade auf meinem Bildschirm.»
Gemeinsamen Stand feststellen: «Aha, hier sehe ich folgende Notiz vom letzten Telefonat. Ich nehme Sie kurz mit durch die Details, damit wir exakt vom Gleichen sprechen.»
Gib das Problem mit eigenen Worten wieder
Frage nach, ob du das Problem richtig verstanden hast und wiederhole es mit deinen eigenen Worten. So zeigst du, dass du dir Notizen gemacht hast und das Anliegen ernst nimmst. Das schafft Vertrauen.
Arbeite lösungsorientiert
Frage deinen Kunden direkt, wie du ihm am schnellsten und effektivsten helfen kannst. So erfährst du exakt, was er erwartet, und verhinderst, dass du am eigentlichen Bedürfnis vorbeiplanst. Übernehme das Anliegen persönlich und sprich bewusst aus deiner eigenen Perspektive («Ich»-Form). Das vermittelt dem Gegenüber sofort: «Dein Problem ist jetzt mein Problem.» Kommuniziere dabei transparent, was von deiner Seite aus realistisch machbar ist und wo die Grenzen liegen. Anstatt dem Kunden eine starre Einheitslösung vorzugeben, biete ihm zwei bis drei konkrete Optionen an. Wenn der Kunde selbst entscheiden kann, welcher Weg für ihn am besten passt, gewinnt er die Kontrolle über die Situation zurück und ist mit dem Ergebnis automatisch zufriedener. Binde ihn aktiv in den Prozess ein: «Wenn du mir den Lieferschein per E-Mail sendest, kann ich mich sofort um die Gutschrift kümmern.»
Entschuldige dich
Ein «Entschuldigung» oder «Es tut mir leid» wirkt extrem versöhnlich. Es geht dabei keineswegs um ein Schuldeingeständnis, sondern darum, Empathie für eine unangenehme Situation zu zeigen, die für deinen Kunden entstanden ist. Eine aufrichtige Entschuldigung nimmt der Emotion sofort die Schärfe, baut Spannungen ab und öffnet die Tür für eine konstruktive Lösung.
Besonders bei sehr geladenen Kunden funktioniert die Entschuldigung hervorragend als «Icebreaker» (Eisbrecher), um die Situation sofort zu de-eskalieren und das Gespräch auf eine persönliche, lösungsorientierte Ebene zu bringen.
Übernehme Verantwortung
Dein Mindset muss sein: «Das Problem des Kunden ist auch mein Problem.» Versuche nicht den Fehler auf andere Abteilungen zu schieben, sondern übernehme Verantwortung. Deine Kunden verstehen, dass Fehler passieren können und verzeihen diese. Jedoch verzeihen sie es nicht, wenn Fehler ignoriert und deren Auswirkungen nicht korrigiert werden.
Sprich die Sprache des Kunden
Versteife dich im Reklamationsgespräch nicht auf starre, auswendig gelernte Positiv-Floskeln. Lösungsorientiert zu kommunizieren bedeutet keineswegs, gekünsteltes Marketing-Sprech aufzutischen. Im Gegenteil: Wenn beim Kunden etwas richtig schiefgelaufen ist und du das im System bestätigen kannst, sprich das genauso offen aus. Dem Kunden hilft es am meisten, wenn du authentisch bleibst, auf Augenhöhe kommunizierst und seine Sprache sprichst. Achte darauf, direkt, nahbar und unterstützend aufzutreten, anstelle dich hinter abwehrenden Floskeln zu verstecken.
Mache keine falschen Versprechungen
Achte darauf, dass du nur Aussagen machst, bei denen du dir sicher bist, dass sie auch korrekt sind. Mache nur Versprechungen, die du auch einhalten kannst. Vermeide Ausdrücke wie: «ich glaube», «ich vermute» oder «es könnte sein». Verspreche lediglich, dass du dich persönlich um das Anliegen kümmerst. So versicherst du dem Kunden, dass er sich bei Fragen und Unsicherheiten direkt bei dir melden kann.
Überrasche deinen Kunden
Jedes Reklamationsgespräch sollte auf einer positiven Note enden. Um die Erwartungen deines Gegenübers zu übertreffen, musst du ihm jedoch keineswegs Rabatte, Gutscheine oder Werbegeschenke aufdrängen. Zeige deinem Kunden, dass er für dich kein anonymer Fall ist, sondern ein geschätzter Partner. Lass ihn deine ehrliche Freude darüber hören und fühlen, dass du ihm helfen konntest.
So überraschst du Kunden im Gespräch persönlich und kreativ:
Zeige echtes Interesse am Business des Kunden: Wirf vor oder während des Telefonats einen kurzen Blick auf die Website oder das Google-Profil der Kundenfirma. Frage nach: «Ich habe gesehen, dass Sie gerade Ihren neuen Standort eröffnet haben – wie läuft der Betrieb in den neuen Räumlichkeiten?»
Mache deine Hilfe persönlich spürbar: Drücke ehrliche Freude über den gelösten Fall aus: «Es freut mich wirklich riesig, dass es mir möglich war, Ihr Anliegen heute direkt zu klären!»
Hinterlasse ein positives Gefühl: Ein Lächeln am Telefon hört man. Wenn dein Kunde spürt, dass du dich ehrlich für seinen Erfolg einsetzt, wird aus einem verärgerten Anrufer ein treuer Stammkunde.
Frage telefonisch nach
Nach der Reklamation ist vor der Reklamation. Ist die Reklamation bearbeitet oder das Problem behoben, frage telefonisch nach, ob der Kunde nun zufrieden ist. Viele halten dies für unnötig, jedoch ist dies enorm wichtig. Denn ist der Kunde mit dem Reklamationsprozess einverstanden, ergeben sich dadurch neue Chancen und du gewinnst einen loyalen und treuen Kunden.