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9 Tipps zum Umgang mit Reklamationen

Reklamationen können vielerlei Ursachen haben und aus der Sicht des reklamierenden Kunden sind sie immer berechtigt. Die Einwände sollten daher unbedingt ernst genommen werden. Beachte folgende Tipps bei einem Reklamationsgespräch.

Reklamationen als Chance

Laut den Untersuchungen von WEKA zum Kundenverhalten, melden sich nur etwa 4% der unzufriedenen Kunden aktiv und teilen ihr Anliegen mit dem Unternehmen. Die überwältigende Mehrheit von 96 % schwieg bisher und wechselte bei wiederholter Unzufriedenheit stillschweigend zur Konkurrenz.

Wenn sich also ein Kunde meldet, dann hat er auch das Bedürfnis, sich mit dir zu unterhalten und dafür solltest du ein offenes Ohr haben. Die Reklamation als Chance zu begreifen bedeutet, den Kunden nicht als Belastung, sondern als kostenlosen Unternehmensberater zu sehen. Du wirst überrascht sein, was ein solches Gespräch bei dir im Unternehmen und auch beim Kunden bewirken kann. Folgende Tipps solltest du dabei beachten:

Reklamationen richtig behandeln

Reklamationen solltest du niemals persönlich nehmen. Für deinen Kunden ist eine Beschwerde immer etwas sehr Emotionales, weil etwas nicht so funktioniert hat, wie er oder sie es sich vorgestellt hat. Indem du das Problem als deine eigene Mission übernimmst, zeigst du deinem Gegenüber, dass du sein Anliegen absolut ernst nimmst und gibst dem Problem die nötige Wichtigkeit. Kombiniert mit aktivem Zuhören, Paraphrasieren und lösungsorientiertem Handeln wandelst du Kündigungsrisiken direkt in nachhaltige Kundenbindung um.

Höre deinen Kunden konzentriert zu

Oft möchte ein unzufriedener Kunde im ersten Moment vor allem Dampf ablassen. In dieser Phase bist du der Blitzableiter. Nimm die Lautstärke oder den Tonfall keinesfalls persönlich, sondern höre aktiv zu.

Zuhören allein reicht jedoch nicht: Du musst das Anliegen im Kern verstehen. Stelle gezielte Nachfragen und verifiziere die Aussagen des Kunden direkt während des Gesprächs in deiner Software. Nimm deinen Kunden dabei transparent mit und teile ihm live mit, was du auf deinem Bildschirm siehst. Das nimmt sofort die Schärfe aus dem Gespräch, weil der Kunde spürt, dass sein Anliegen unmittelbar bearbeitet wird.

So nimmst du den Kunden im Gespräch mit:

  • Suchprozess ankündigen: «Ich schaue direkt bei uns im bexio-Konto nach und prüfe, was beim betreffenden Kontakt hinterlegt ist.»

  • Aussagen direkt bestätigen: «Stimmt, diese Rechnung sehe ich hier auch gerade auf meinem Bildschirm.»

  • Gemeinsamen Stand feststellen: «Aha, hier sehe ich folgende Notiz vom letzten Telefonat. Ich nehme Sie kurz mit durch die Details, damit wir exakt vom Gleichen sprechen.»

Gib das Problem mit eigenen Worten wieder

Frage nach, ob du das Problem richtig verstanden hast und wiederhole es mit deinen eigenen Worten. So zeigst du, dass du dir Notizen gemacht hast und das Anliegen ernst nimmst. Das schafft Vertrauen.

Arbeite lösungsorientiert

Frage deinen Kunden direkt, wie du ihm am schnellsten und effektivsten helfen kannst. So erfährst du exakt, was er erwartet, und verhinderst, dass du am eigentlichen Bedürfnis vorbeiplanst. Übernehme das Anliegen persönlich und sprich bewusst aus deiner eigenen Perspektive («Ich»-Form). Das vermittelt dem Gegenüber sofort: «Dein Problem ist jetzt mein Problem.» Kommuniziere dabei transparent, was von deiner Seite aus realistisch machbar ist und wo die Grenzen liegen. Anstatt dem Kunden eine starre Einheitslösung vorzugeben, biete ihm zwei bis drei konkrete Optionen an. Wenn der Kunde selbst entscheiden kann, welcher Weg für ihn am besten passt, gewinnt er die Kontrolle über die Situation zurück und ist mit dem Ergebnis automatisch zufriedener. Binde ihn aktiv in den Prozess ein: «Wenn du mir den Lieferschein per E-Mail sendest, kann ich mich sofort um die Gutschrift kümmern.»

Entschuldige dich

Ein «Entschuldigung» oder «Es tut mir leid» wirkt extrem versöhnlich. Es geht dabei keineswegs um ein Schuldeingeständnis, sondern darum, Empathie für eine unangenehme Situation zu zeigen, die für deinen Kunden entstanden ist. Eine aufrichtige Entschuldigung nimmt der Emotion sofort die Schärfe, baut Spannungen ab und öffnet die Tür für eine konstruktive Lösung.

Besonders bei sehr geladenen Kunden funktioniert die Entschuldigung hervorragend als «Icebreaker» (Eisbrecher), um die Situation sofort zu de-eskalieren und das Gespräch auf eine persönliche, lösungsorientierte Ebene zu bringen.

Übernehme Verantwortung

Dein Mindset muss sein: «Das Problem des Kunden ist auch mein Problem.» Versuche nicht den Fehler auf andere Abteilungen zu schieben, sondern übernehme Verantwortung. Deine Kunden verstehen, dass Fehler passieren können und verzeihen diese. Jedoch verzeihen sie es nicht, wenn Fehler ignoriert und deren Auswirkungen nicht korrigiert werden.

Sprich die Sprache des Kunden

Versteife dich im Reklamationsgespräch nicht auf starre, auswendig gelernte Positiv-Floskeln. Lösungsorientiert zu kommunizieren bedeutet keineswegs, gekünsteltes Marketing-Sprech aufzutischen. Im Gegenteil: Wenn beim Kunden etwas richtig schiefgelaufen ist und du das im System bestätigen kannst, sprich das genauso offen aus. Dem Kunden hilft es am meisten, wenn du authentisch bleibst, auf Augenhöhe kommunizierst und seine Sprache sprichst. Achte darauf, direkt, nahbar und unterstützend aufzutreten, anstelle dich hinter abwehrenden Floskeln zu verstecken.

Mache keine falschen Versprechungen

Achte darauf, dass du nur Aussagen machst, bei denen du dir sicher bist, dass sie auch korrekt sind. Mache nur Versprechungen, die du auch einhalten kannst. Vermeide Ausdrücke wie: «ich glaube», «ich vermute» oder «es könnte sein». Verspreche lediglich, dass du dich persönlich um das Anliegen kümmerst. So versicherst du dem Kunden, dass er sich bei Fragen und Unsicherheiten direkt bei dir melden kann.

Überrasche deinen Kunden

Jedes Reklamationsgespräch sollte auf einer positiven Note enden. Um die Erwartungen deines Gegenübers zu übertreffen, musst du ihm jedoch keineswegs Rabatte, Gutscheine oder Werbegeschenke aufdrängen. Zeige deinem Kunden, dass er für dich kein anonymer Fall ist, sondern ein geschätzter Partner. Lass ihn deine ehrliche Freude darüber hören und fühlen, dass du ihm helfen konntest.

So überraschst du Kunden im Gespräch persönlich und kreativ:

  • Zeige echtes Interesse am Business des Kunden: Wirf vor oder während des Telefonats einen kurzen Blick auf die Website oder das Google-Profil der Kundenfirma. Frage nach: «Ich habe gesehen, dass Sie gerade Ihren neuen Standort eröffnet haben – wie läuft der Betrieb in den neuen Räumlichkeiten?»

  • Mache deine Hilfe persönlich spürbar: Drücke ehrliche Freude über den gelösten Fall aus: «Es freut mich wirklich riesig, dass es mir möglich war, Ihr Anliegen heute direkt zu klären!»

  • Hinterlasse ein positives Gefühl: Ein Lächeln am Telefon hört man. Wenn dein Kunde spürt, dass du dich ehrlich für seinen Erfolg einsetzt, wird aus einem verärgerten Anrufer ein treuer Stammkunde.

Frage telefonisch nach

Nach der Reklamation ist vor der Reklamation. Ist die Reklamation bearbeitet oder das Problem behoben, frage telefonisch nach, ob der Kunde nun zufrieden ist. Viele halten dies für unnötig, jedoch ist dies enorm wichtig. Denn ist der Kunde mit dem Reklamationsprozess einverstanden, ergeben sich dadurch neue Chancen und du gewinnst einen loyalen und treuen Kunden.

Bei bexio nehmen wir jede Reklamation und jedes Feedback ernst und prüfen es sorgfältig. Gemeinsam suchen wir die bestmögliche Lösung. Wir versuchen täglich, unseren hohen Ansprüchen und den Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden und geben alles, damit unsere Kunden noch effizienter und besser mit bexio arbeiten können.
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Abb.: Bei Reklamationen gilt: Nicht nur zuhören, sondern verstehen.

Beispiele für Antworten auf Kundenreklamationen

Damit du im Reklamationsgespräch oder bei schriftlichen Beschwerden stets den richtigen Ton triffst, helfen vorbereitete Formulierungsbausteine. Achte darauf, kundenorientiert, lösungsorientiert und bestimmt aufzutreten. Hier sind erprobte Satzbeispiele für typische Alltagssituationen in Schweizer KMU:

  • Bei Lieferverzögerungen oder Terminverschiebungen:
    • Status quo anerkennen: «Vielen Dank für deine Nachricht. Du hast vollkommen recht: Die Lieferung hätte am Dienstag bei dir eintreffen sollen. Es tut mir leid, dass es hier zu einer Verzögerung gekommen ist.»

    • Lösung anbieten: «Ich habe direkt beim Lieferdienst nachgefragt. Das Paket befindet sich bereits in der Zustellung und trifft heute bis 14:00 Uhr bei dir ein. Melde dich bitte bei mir, falls das Paket zu diesem Zeitpunkt noch nicht angekommen ist. Dann werde ich der Sache nachgehen.»

  • Bei mangelhafter Leistung oder fehlerhaftem Produkt:
    • Verständnis zeigen: «Danke, dass du uns sofort darauf aufmerksam machst. Dass das Produkt nicht deinen Erwartungen entspricht, entspricht keineswegs unserem Qualitätsanspruch und wir werden dies intern natürlich adressieren. Denn dies darf nicht vorkommen.»

    • Sofortige Abhilfe schaffen: «Wir senden dir heute umgehend einen einwandfreien Ersatz zu. Das mangelhafte Teil kannst du kostenlos an uns zurückschicken oder entsorgen – den Rücksendeschein lege ich bei.»

  • Bei Missverständnissen bezüglich Offerte oder Abrechnung:
    • Transparenz schaffen: «Danke für den Hinweis zu deiner Rechnung. Lass uns das gemeinsam durchgehen: Ich prüfe die Abrechnung sogleich mit unserer ursprünglichen Offerte ab.»

    • Korrektur umsetzen: «Du hast völlig recht, hier ist uns bei der Positionierung ein Übertragungsfehler unterlaufen. Ich erstelle dir in bexio sofort eine korrigierte Rechnung und sende dir zusätzlich eine Gutschrift zu.»

  • Bei unklaren oder hoch emotionalen Beschwerden:
    • Dampf herausnehmen: «Ich verstehe deinen Ärger über diese Situation vollkommen. Lass uns gemeinsam anschauen, wie ich das schnellstmöglich für dich lösen kann.»

    • Fakten & Erwartungen klären: «Damit ich dir zielgerichtet helfen kann: Welcher Mangel liegt genau vor und wie sieht die ideale Lösung für dich aus?»

    • Machbarkeit abgleichen: «Du wünschst dir eine komplette Rückerstattung, dies ist aufgrund unserer Vertragsbestimmungen nicht möglich. Ich biete dir an, die betroffenen Positionen zu korrigieren und dir eine Gutschrift auszustellen.»

  • Bei Ablehnung einer unberechtigten Reklamation (freundlich aber bestimmt):
    • Wertschätzend ablehnen: «Wir haben dein Anliegen sorgfältig geprüft. Da die vereinbarte Garantiezeit abgelaufen ist und der Mangel auf normalen Verschleiss zurückzuführen ist, können wir den Schaden leider nicht kostenlos beheben.»

    • Alternativangebot machen: «Gerne bieten wir dir jedoch eine Reparatur zu unserem fairen Stammkunden-Sondertarif an. Sollen wir dir dazu eine unverbindliche Offerte erstellen?»

    • Transparenz bieten: Ein Alternativangebot ist nicht immer machbar. Sollte das der Fall sein, kommuniziere auch das ganz offen. Teile dem Kunden transparent die Ideen mit, die du im Kopf durchgespielt hast, und erkläre nachvollziehbar, weshalb diese Lösungsansätze in der Praxis leider nicht funktionieren. Das schafft volles Verständnis und verhindert das Gefühl einer willkürlichen Absage.

Checkliste: De-Eskalation im Reklamationsgespräch

  • Ruhig bleiben: Höre aufmerksam zu und unterbrich den Kunden nicht.
  • Notizen machen: Halte Fakten, Daten und Namen schriftlich im Kundenkontakt fest.

  • Empathie signalisieren: Validiere das Gefühl des Gegenübers («Ich verstehe dein Anliegen»).

  • Gemeinsam lösen: Mache einen konkreten Vorschlag mit festem Zeitrahmen.

  • Prozess dokumentieren: Trage die Vereinbarungen direkt in deinem bexio-Konto ein.

  • Nachfassen: Rufe nach einigen Tagen an, um die Zufriedenheit abzufragen.

Häufige Fehler beim Bearbeiten von Reklamationen

Wenn Kundenreklamationen bearbeitet werden, entscheiden oft Nuancen über Erfolg oder Misserfolg. Viele Unternehmen begehen jedoch im Eifer des Gefechts klassische Fehler, die Kunden endgültig verärgern. Zahlen und Studien zeigen eindrücklich, wie teuer diese Fehler werden können:

  • Abwehren und Sich-Rechtfertigen:
    • Der Fehler: Dem Kunden sofort widersprechen, Ausreden suchen oder ihm die Schuld zuschieben («Sie haben die Kündigungsfrist verpasst!» oder «Das steht aber so in unseren AGB»).

    • Die Auswirkung: Eine defensive Haltung vermittelt Gleichgültigkeit und Inkompetenz. Laut Untersuchungen von WEKA zum Kundenverhalten geben 68 % der Kunden eine Geschäftsbeziehung auf, wenn sie das Gefühl haben, dass das Unternehmen ihnen gegenüber uneinsichtig oder gleichgültig auftritt. Eine Rechtfertigung heizt den Konflikt erst richtig an.

  • Fehler auf Vorlieferanten oder Kollegium abwälzen:
    • Der Fehler: Aussagen wie «Da ist die Buchhaltung schuld» oder «Der Lieferant hat geschlafen».

    • Die Auswirkung: Der Kunde hat einen Vertrag mit deinem Unternehmen geschlossen, nicht mit deinen Unterlieferanten. Schuldzuweisungen wirken unprofessionell und schwächen das Vertrauen in deine Gesamtorganisation.

  • Lange Antwortzeiten und Verzögerungstaktik:
    • Der Fehler: Beschwerden tagelang unbeantwortet im Posteingang liegen lassen oder keine Rückmeldung geben.

    • Die Auswirkung: Erhebungen zur Kundenzufriedenheit belegen, dass Kunden bei Reklamationen eine Rückmeldung innerhalb von maximal 24 Stunden erwarten. Bleibt diese aus, steigt das Risiko negativer Mundpropaganda exponentiell. Unzufriedene Kunden berichten laut WEKA im Durchschnitt 9 bis 10 Personen von ihren negativen Erlebnissen; etwa 13 % erzählen es sogar mehr als 20 Personen weiter.

  • Keine Notizen machen und Informationen vergessen:
    • Der Fehler: Der Kunde muss seine Beschwerde bei jedem Anruf einem anderen Mitarbeitenden erneut erklären.

    • Die Auswirkung: Dies sorgt für enormen Frust. Eine zentrale Kundendatenbank, in der alle Vereinbarungen, Notizen und der bisherige Verlauf festgehalten werden, ist hierfür unerlässlich.

  • Versprechungen nicht einhalten:
    • Der Fehler: Einen Rückruf für 14:00 Uhr zusagen oder eine Ersatzlieferung «bis morgen» versprechen und die Frist verstreichen lassen.

    • Die Auswirkung: Ein gebrochenes Versprechen wiegt schwerer als der ursprüngliche Fehler. Es zerstört das Restvertrauen endgültig und führt meist zur sofortigen Kündigung oder zum Anbieterwechsel.

  • Kosten der Kundenneugewinnung unterschätzen:
    • Der Fehler: Wegen kleiner Beträge feilschen und den Kunden lieber ziehen lassen.

    • Die Auswirkung: Betriebswirtschaftliche Analysen zeigen: Die Akquisition eines Neukunden kostet 5- bis 7-mal mehr als die Bindung eines bestehenden Kunden. Eine kulante Abwicklung bei Reklamationen ist daher fast immer die wirtschaftlich klügere Entscheidung.

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bexio-Redaktion

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Die Autoren unserer bexio-Redaktion bringen langjährige Expertise und Erfahrung im Erstellen von hochwertigem Content mit. Bei allen veröffentlichten Texten stehen für die Autoren höchste Ansprüche auf Qualität, detaillierte Recherche und Mehrwert für den Leser im Mittelpunkt.

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