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07. FEBRUAR 2022

Hybride Arbeitsmodelle

Seit Beginn der Pandemie haben sich viele Dinge verändert. Unser Alltag und vor allem auch der Bezug zum Job ist ein anderer. Egal ob selbstständige Unternehmer oder angestellte Arbeitnehmer – es hat sich viel getan: Unser Bedürfnis nach Flexibilität ist gestiegen und wir befassen uns verstärkt mit Arbeitsmodellen der Zukunft. So hat sich der Wandel von Arbeitsmodellen hin zu hybriden Versionen beschleunigt und auch die Arbeitszeitmodelle selbst verändern ihre einst statische Basis in eine mit flexiblen Arbeitszeiten, die viel mehr Möglichkeiten und Raum bietet. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Arbeitsmodelle geben. Inklusive praktischem Leitfaden.

In diesem Beitrag:

Definition und Überblick

Was versteht man unter einem Arbeitsmodell?

Wenn Sie einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, erledigen Sie diese Tätigkeit innerhalb eines Arbeitsmodells. Wenn Sie selbstständig sind, können Sie das für Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeitende am besten passende Modell selbst wählen.

Befinden Sie sich in einem Angestelltenverhältnis, finden Sie dort bereits etablierte Arbeitsmodelle vor, aus denen Sie als Mitarbeitender wählen bzw. eine Kombination aus beispielsweise zwei Modellen (z.B. Onsite Work, also vor Ort und Homeoffice) mit Ihrem Vorgesetzten festlegen können. Dabei handelt es sich dann um ein hybrides Arbeitsmodell, da hier zwei oder mehrere Modelle ineinander verschmelzen können.

In manchen Unternehmen gibt es nach wie vor die Option, sich ausschliesslich einem klassischen Arbeitsmodell (Onsite Work) anzupassen. Besonders die letzten Jahre seit Beginn der Pandemie haben zu einem Umdenken sowohl bei Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern geführt.

Daher werden neue Wege gesucht, wie die Arbeit der Zukunft idealerweise gestaltet werden kann. Auch wird eruiert, ob es überhaupt einen Weg zurück ins Büro geben wird, wie es bisher der Fall war.

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Ein Blick in die Zukunft der hybriden Arbeitsmodelle: Die Universität St.Gallen, Novu Office und HR Campus haben in einem Gemeinschaftsprojekt den «Hybrid Work Compass» realisiert, um Unternehmen datengestützte Insights und Guidance rund um die Entwicklung und Implementierung von hybriden Arbeitsmodellen zu geben.

Welche Arbeitsmodelle gibt es?

Hier können wir zwischen bekannten und teils sehr etablierten Arbeitsmodellen unterscheiden und zwischen jenen, die man als Arbeitsmodelle der Zukunft bezeichnen kann, da sie grosses Potential haben, aber noch zu wenig genutzt werden und teilweise nicht in allen Bereichen des Joballtags praktikabel sind.

Nahezu jedes Modell birgt Vor- aber auch Nachteile, Chancen und ganze andere Möglichkeiten, seinen Alltag zu gestalten. Manche Modelle sind besonders gut für jüngere, manche für ältere Mitarbeitende geeignet und oftmals ist es auch ideal Büroarbeit, Homeoffice und Remote Work in einem hybriden Arbeitsmodell zu vereinen.

Bekannt und häufig genutzt wird Homeoffice und Remote Work. Dann gibt es noch die Arbeitsmodelle Desksharing, Coworking, Jobsharing und die 4-Tage-Woche. Nachfolgend werden wir Ihnen nun einen Überblick über die einzelnen Arbeitsmodelle geben.

Remote Work

Remote Work, im Deutschen am besten mit Fernarbeit oder mobiles Arbeiten zu bezeichnen, ist ein eher neues Arbeitsmodell und unterscheidet sich vom Homeoffice dadurch, dass sie im Prinzip an jedem beliebigen Ort stattfinden kann, sofern Sie Zugang zum Internet haben. Sie sind nicht an das Büro Ihres Unternehmens gebunden und Sie können völlig ortsunabhängig arbeiten – egal ob am Strand, auf Reisen, im Café oder unterwegs im Zug. Ihre Verbindung zu Ihrem Unternehmen besteht online und über das Handy.

Vorteile: Sie sind nicht ortsgebunden und können Ihr Leben frei gestalten. Ihr Einkommen ist nicht an einen Ort gebunden und Sie brauchen wenig Hilfsmittel, um arbeiten zu können. Lediglich einen PC/Laptop, ein Handy und eine stabile Internetverbindung.

Nachteile: Das Arbeiten unterwegs oder in ungewohnten Umgebungen kann zwar für den oftmals nötigen Kreativschub sorgen, birgt aber auch viele Ablenkungen, Störfaktoren wie Lautstärke, Personen, die einen ansprechen, etc., so dass man unter Umständen keine langen Konzentrationsphase hat. Zudem können nicht viele Berufsgruppen auf diese Art arbeiten, da sie für ihre Arbeit vor Ort sein müssen. Ideal ist Remote Work für beispielsweise Texter/Übersetzer, Programmierer und Webdesigner, Treuhänder, Fotografen, oder auch Unternehmensberater.

Möchten Sie mehr über Remote Work erfahren? Klicken Sie hier »

Abb.: Ob Arbeiten im Café um die Ecke oder auf Reisen. Remote Work macht’s möglich.
Abb.: Ob Arbeiten im Café um die Ecke oder auf Reisen. Remote Work macht’s möglich.

Desksharing

Beim Modell des Desksharing hat der einzelne Mitarbeitende keinen eigenen Arbeitsplatz, sondern sucht sich im Büro einen freien Platz oder reserviert diesen vorab. In der Schweiz haben sich vor ein paar Jahren bereits grosse Unternehmen wie Credit Suisse, Post oder SBB dazu entschieden, dieses Arbeitsmodell zu nutzen.

Vorteile: Oft gibt es mehr Arbeitsplätze als Mitarbeitende. Wenn Arbeitsplätze geteilt werden, kann ein Unternehmen seine Infrastrukturkosten deutlich senken. Das Teilen des Platzes kann zu einer Verstärkten Interaktion unter den Mitarbeitenden führen und zu mehr Kreativität und Kollegialität anregen.

Nachteile: Was zum Vorteil werden kann, kann sich allerdings auch in einen Nachteil umkehren: Misstrauen, sich unwohl fühlen, auf Distanz gehen – all das kann je nach Charakter des Mitarbeitenden durch Desksharing forciert werden, da man durch die tägliche Neuorientierung einem erhöhten Stresslevel ausgesetzt ist und weniger Kontinuität vorfindet.

Coworking

In Coworking Spaces werden Arbeitsplätze flexibel vermietet, wobei die Räumlichkeit häufig einem gemütlich eingerichteten Grossraumbüro gleicht. Dabei kann ein Arbeitsplatz tages- oder monatsweise inklusive aller nötiger Infrastruktur gemietet werden – Kaffee ist auch dabei. Einzig der Laptop muss selbst mitgebracht werden.

Vorteile: Oftmals kann man den Coworking-Arbeitsplatz sehr flexibel kündigen. Die Mietkosten sind zudem meist sehr fair und man kann sich so viel Geld sparen im Vergleich zur Anmietung einer eigenen Büroräumlichkeit. Wer bisher nur im Homeoffice gearbeitet hat, für den ist Coworking eine tolle Alternative aus seinem häuslichen Umfeld in ein Business-Umfeld zu wechseln.

Nachteile: Nicht immer hat man einen festen Schreibtisch, sonder muss sich jedes Mal aufs Neue seinen Platz suchen. Wer bisher im Homeoffice gearbeitet hat, dem entstehen natürlich Mehrkosten im Vergleich zu vorher. Ein grosser Punkt, über dem man sich im Klaren sein muss: Privatsphäre und Ruhe für Videocalls und Telefonate sind nicht immer gegeben, da es sich bei den Coworking Spaces oft um eine Art Grossraumbüro handelt. Daher empfiehlt es sich, die Räumlichkeiten vorab unbedingt zu besichtigen.

Möchten Sie mehr über Coworking erfahren? Klicken Sie hier »

Abb.: Im Coworking Space vereinen sich Büro-Feeling und Flexibilität.
Abb.: Im Coworking Space vereinen sich Büro-Feeling und Flexibilität.

Jobsharing

Beim Jobsharing können zwei oder mehrere Mitarbeiter eine Vollzeitstelle mit voneinander abhängigen Aufgaben und gemeinsamer Verantwortlichkeit teilen. Auf den ersten Blick handelt es sich hier um Teilzeitarbeit. Aber im Unterschied zur Teilzeit werden die Aufgaben und Verantwortungsbereiche nicht vom Arbeitgeber festgelegt, sondern unter den Arbeitnehmern selbst verantwortet. Sie stimmen sich selbstständig ab, wer wann ins Büro kommt und wer genau für welche Aufgaben zuständig ist.

Vorteile: Sie haben die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten und können sich Ihre Arbeitszeit flexibel gestalten was wiederum zu einer höheren Zufriedenheit führt. Als Arbeitgeber kann man durch zwei Experten auf einer Stelle von doppeltem Wissen profitieren – gerade im Krankheitsfalle eines Mitarbeitenden relevant, da die Arbeit dennoch ausgeführt werden kann.

Nachteile: Sie müssen gut im Kommunizieren sein und eine sehr gute (Selbst-)Organisation mitbringen. Auch ist es wichtig, dass Sie Ihrem Jobsharing-Partner vertrauen können. Für Einzelgänger ist dieses Arbeitsmodell daher nicht geeignet. Es kann auch passieren, dass Ihr Partner es mit der Arbeit nicht ganz so genau nimmt wie Sie selbst. Hier ist Streit und Unzufriedenheit vorprogrammiert. Dazu kommt, dass es nicht einfach ist, eine passende Jobsharing-Stelle zu finden – nur in den seltensten Fällen werden solchen Stellen ausgeschrieben. Daher am besten selbst Initiative zeigen und Plattformen nutzen.

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In der Schweiz gibt es Jobsharing-Plattformen wie Go for Jobsharing. Die private, unabhängige Initiative möchte Jobsharing in der Schweiz fördern und Angestellte und Unternehmen über die Einzelheiten von Arbeitsstellen-Aufteilung informieren.

4-Tage-Woche

Auf internationaler Ebene ist dieses Arbeitsmodell bisher auf grosses Interesse gestossen. Island hat beispielsweise bereits die 4-Tage-Woche eingesetzt. Die Idee? Sie arbeiten vier Tage in der Woche, werden aber Vollzeit bezahlt. Nach und nach wird das Modell auch in der Schweiz immer beliebter und es gibt bereits erste Firmen, die die 4-Tage-Woche umsetzen.

Vorteile: Die Mitarbeitenden profitieren von einer längeren Erholungsphase. Dies kann eine grosse Motivation für den Job mitbringen, sich auf Zufriedenheit und Gesundheit des Mitarbeitenden auswirken und so zu weniger Krankheitstagen führen. Für viele nötige Alltagstermine wie Arztbesuche, Reparaturen durch Handwerker, Sportaktivitäten und andere Familien- und Freizeitaktivitäten gibt es einen zusätzlichen Tag. Firmen können mit der 4-Tage-Woche zudem neue Stellen schaffen: Arbeiten fünf Beschäftigte jeweils einen Tag pro Woche weniger, kann das Unternehmen eine zusätzliche Vollzeitkraft einstellen.

Nachteile: Weniger Arbeitsleistung kann Kosten verursachen. Diese müssen von jemandem getragen werden, sei es der Staat oder die Kunden eines Unternehmens. Das kann in der Folge höhere Steuern oder einen Nachteil gegenüber Wettbewerbern bedeuten. Grundsätzlich kann es negativ für ein Unternehmen sein, das gewisse Dienstleistungen nur vier statt wie die meisten anderen fünf Tage die Woche anbietet. Kunden können leicht zur Konkurrenz wechseln. Es besteht zudem die Gefahr als Arbeitnehmer, zu viele Überstunden anzuhäufen, da ja die selbe Arbeit in weniger Zeit erledigt werden muss.

Abb.: Mehr Zeit für das was Sie lieben – dank 4-Tage-Woche.
Abb.: Mehr Zeit für das was Sie lieben – dank 4-Tage-Woche.
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Schon gewusst? In der Schweiz gab es schon vor vielen Jahrzehnten Bemühungen in Richtung weniger Arbeitszeit. Doch sämtliche Initiativen wurden vom Schweizer Stimmvolk abgelehnt. Auch im Parlament scheiterte das Thema: Bereits 1998 gab es in der Schweiz eine parlamentarische Initiative zur Einführung der 4-Tage-Woche. Der Nationalrat hat der Initiative allerdings keine Folge gegeben.

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