Letztes Update 18. April, 2024|Geschrieben von bexio-Redaktion
Ein effizientes Lagermanagement ist für den Erfolg eines Unternehmens unerlässlich. Eine zentrale Bedeutung nimmt dabei der Lagerbestand, also die Menge an vorrätigen Gütern und Materialien, ein. Schliesslich sollte ein Unternehmen weder zu wenige, noch zu viele Waren auf Lager haben.
Doch wie kann man den Lagerbestand berechnen und optimieren? Und welche wichtigen Kennzahlen rund um den Lagerbestand gilt es zu beachten? Dieser Beitrag bietet dir Antworten und praktische Tipps für eine optimale Lagerhaltung.
Was ist dein Lagerbestand?
Der Lagerbestand umfasst die gesamten Vorräte, die ein Unternehmen aktuell auf Lager hat. Je nach Unternehmensart ist dies der Warenbestand, oder aber Handelsware, (halb-)fertige Erzeugnisse, Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe. Der Lagerbestand ist eine wichtige Kennzahl der Logistik und spielt eine Rolle für die Geschäftsabläufe, Buchführung und die Planung von Bestellungen.
Die Ermittlung des exakten Lagerbestands erfolgt üblicherweise im Rahmen einer Inventur. Idealerweise wird er aber auch durch die fortlaufende Erfassung sämtlicher Zu- und Abgänge der Waren während des Wareneingangs und Warenausgangs ermittelt.
Der Lagerbestand des jeweiligen Produktes kann also simpel durch das Zählen der vorhandenen Artikel beziehungsweise alternativ durch eine automatisierte Erfassung im System ermittelt werden.
Beim Lagerbestand gibt es drei Werte, die du ermitteln solltest, um eine optimale Verfügbarkeit von Waren in deinem Lager gewährleisten zu können: Mindestbestand, Meldebestand und Höchstbestand.
Mindestbestand
Grundsätzlich gilt: Die Anzahl von Waren im Lager sollte niemals auf null sein. Stattdessen solltest du stets einen gewissen Mindestbestand (auch eiserner Bestand, Reservebestand oder Sicherheitsbestand) vorrätig haben. So kannst du sicherstellen, dass du den Betrieb auch bei unvorhergesehenen Ereignissen aufrechterhältst und eine Nichtverfügbarkeit verhindern kannst. Zu diesen Ereignissen zählt beispielsweise, dass sich die Lieferung neuer Produkte verzögert, du unerwartet eine grosse Bestellung erhältst oder der Bedarf plötzlich stark ansteigt.
Abb.: Die Anzahl von Waren im Lager sollte niemals auf null sein.
Wie hoch der Mindestbestand des jeweiligen Produktes sein sollte, ist von einigen Faktoren abhängig. Dazu zählen die Wiederbeschaffungszeit, also die Zeit, die von der Bestellauslösung bis zum Wareneingang verstreicht, wie auch der durchschnittliche Produktbedarf pro Tag.
In Bezug auf den Mindestbestand sind zwei Formeln von Bedeutung:
Mindestbestand = Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit / 3
Beispiel: Das Möbelgeschäft BetterLiving verkauft durchschnittlich am Tag 15 Beistelltische. Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 5 Tage. Der Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit beträgt also 15 x 5 = 75 Beistelltische. Demzufolge wird der erforderliche Mindestbestand wie folgt berechnet:
Mindestbestand Beistelltische = 75 / 3 = 25
Das Möbelgeschäft sollte also niemals weniger als 25 Beistelltische auf Lager haben.
Meldebestand
Sobald der Meldebestand unterschritten wird, muss eine Bestellung ausgelöst werden. Dadurch soll verhindert werden, dass der Mindestbestand angegriffen wird und es im weiteren Verlauf zu Bestandsengpässen kommen kann. Darum wird der Meldebestand auch als Bestellpunkt bezeichnet.
Damit dieses System funktionieren kann, müssen Meldebestand und Mindestbestand optimal aufeinander abgestimmt sein.
Um den Meldebestand zu berechnen, kannst du folgende Formel verwenden:
Meldebestand = durchschnittlicher Tagesverbrauch x Beschaffungsdauer + Sicherheitsbestand
Beispiel: BetterLiving verkauft durchschnittlich pro Tag 15 Beistelltische. Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 5 Tage und der Mindestbestand liegt bei 25 Beistelltischen. Daraus ergibt sich der folgende Meldebestand:
Meldebestand Beistelltische = 15 x 5 + 25 = 100
Ist ein Bestand von 100 Beistelltischen erreicht, sollte also eine Bestellung ausgelöst werden.
Höchstbestand
Zuletzt ist auch die Ermittlung des Höchstbestands von Bedeutung, da dieser verhindert, dass du unnötig hohe Bestände auf Lager und damit einhergehend hohe Lagerkosten hast. Der Höchstbestand, auch als Maximalbestand bekannt, legt also die Menge eines bestimmten Produkts fest, die maximal im Lager vorhanden sein darf.
Für die Berechnung des Höchstbestands ist es zunächst erforderlich, die optimale Bestellmenge zu ermitteln:
Optimale Bestellmenge =
Beispiel: Das Möbelhaus hat einen Jahresbedarf an 5'475 Beistelltischen. Die Bestellkosten liegen bei CHF 20, der Einkaufspreis pro Stück beträgt CHF 10 und der Lagerhaltungskostensatz liegt bei 20 Prozent.
Daraus ergibt sich die Folgende optimale Bestellmenge für Beistelltische:
Beispiel: BetterLiving möchte weder zu viel Kapital binden, noch unnötige Lagerfläche verschwenden und will darum den Höchstbestand der Beistelltische ermitteln. Da die optimale Bestellmenge der Beistelltische bei 331 Stück liegt, ergibt sich daraus folgender Höchstbestand:
Höchstbestand Beistelltische = 25 + 331 = 356
Was sind wichtige Kennzahlen im Lagerwesen?
Es gibt einige wichtige Kennzahlen, die im Zusammenhang mit dem Lagerbestand stehen:
Lagerumschlag: Der Lagerumschlag zeigt, wie oft der Lagerbestand innerhalb eines bestimmten Zeitraums komplett durch Verkäufe ersetzt wird. Ein höherer Lagerumschlag deutet auf eine effizientere Lagerbewirtschaftung hin.
Durchschnittliche Lagerdauer: Die durchschnittliche Lagerdauer gibt an, wie viele Tage Produkte im Durchschnitt im Lager sind, bevor sie verkauft werden. Eine kürzere durchschnittliche Lagerdauer weist auf einen schnellen Warenverkauf und damit auf geringere Lagerkosten hin.
Füllgrad: Diese Kennzahl misst das Verhältnis von belegten Lagerplätzen zur gesamten Kapazität des Lagers. Ein niedriger Füllgrad kann auf Probleme mit der Bestandsverwaltung oder der Lieferkette hinweisen, während ein hoher Füllgrad ein Zeichen für einen zu hohen Lagerbestand sein kann.
Lagerreichweite: Die Lagerreichweite verdeutlicht, wie viele Tage der aktuelle Lagerbestand voraussichtlich ausreichen wird, basierend auf dem durchschnittlichen Verbrauch. Eine niedrige Lagerreichweite kann auf Bestandsknappheit hindeuten, während eine hohe Lagerreichweite auf Überbestände hinweisen kann.
Bestandswert: Der Bestandswert gibt den finanziellen Wert des gesamten Lagerbestands an. Ein genauer Überblick über den Bestandswert ist wichtig für die Bilanzierung und die finanzielle Gesamteinschätzung eines Unternehmens.
Diese Kennzahlen im Lagerwesen bieten Einblicke in die Effizienz, Rentabilität und Zuverlässigkeit der Lagerhaltung eines Unternehmens. Es ist wichtig, sie regelmässig zu überwachen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen, um einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten.
Wie lässt sich der Lagerbestand optimieren?
Abb.: Der Lagerbestand kann durch verschiedene Massnahmen optimiert werden.
Durch die Anwendung der folgenden Tipps kannst du deinen Lagerbestand optimieren, unnötige Kosten vermeiden und als Unternehmen effizienter werden:
Analysiere die Nachfrage: Verstehe die Kundenbedürfnisse und analysiere Verkaufsmuster, um die Lagerbestände der einzelnen Produkte an die tatsächliche Nachfrage anzupassen.
Berücksichtige die Saisonalität: Passe den Lagerbestand an saisonale Schwankungen an, um Überbestände oder Lieferengpässe zu vermeiden.
Reduziere Lieferzeiten: Minimiere wenn möglich Lieferzeiten, um flexibler auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können.
Optimiere Lieferantenbeziehungen: Verhandle günstige Konditionen mit Lieferanten, um Kosten zu minimieren und eine zuverlässige Versorgung sicherzustellen.
Wende das Just-in-Time-Prinzip an: Halte Bestände so knapp wie möglich, um Lagerkosten zu senken, ohne dadurch die Lieferbereitschaft zu gefährden.
Führe die ABC-Analyse durch: Kategorisiere Produkte nach Wert und Bedeutung, um den Fokus auf die wichtigsten Artikel zu legen und sie optimal zu managen.
Bearbeite Rückläufer effizient: Implementiere effektive Prozesse in der Warenwirtschaft zur Bearbeitung von Rücksendungen, um Lagerbestände schnell wieder verfügbar zu machen.
Führe regelmässige Inventuren durch: Häufige Überprüfungen des Inventars helfen, Unstimmigkeiten zu erkennen und den Lagerbestand auf dem aktuellen Stand zu halten.
Setze Anreize für Mitarbeiter: Motiviere Mitarbeiter, präzise Bestandsaufnahmen durchzuführen und optimale Lagerpraktiken zu unterstützen.
Optimiere die Kommissionierung: Das Ziel sollte stets sein, dass Waren und Produkte so schnell und effizient wie möglich das Lager verlassen.
Nutze ein Warenwirtschaftsprogramm: Implementiere eine moderne Software, um den Lagerbestand in Echtzeit zu überwachen und automatisierte Bestellungen zu ermöglichen.
Dein optimaler Lagerbestand mit bexio
Mit bexio behältst du stets einen guten Überblick über deinen Lagerbestand – nicht nur die Ein- und Ausgänge der Waren können mit wenigen Klicks aktualisiert werden, sondern auch sämtliche Aufträge sind mit der Lagerverwaltungssoftware verknüpft.
Zudem nimmt dir die Business-Software die automatisierte Bestellung beim Erreichen des Meldebestands ab. Dadurch verpasst du nicht den richtigen Bestellzeitpunkt und musst den Mindestbestand nicht angreifen. Teste jetzt bexio 30 Tage kostenlos und unverbindlich.
Häufig gestellte Fragen zum Lagerbestand
Was zählt zum Lagerbestand?
Zum Lagerbestand zählen alle Produkte und Materialien, die ein Unternehmen für den Verkauf oder die Produktion auf Lager hat. Dazu gehören fertige Waren, Rohstoffe, Halbfabrikate und alles Weitere, das sich physisch im Lager befindet.
Wie hoch sollte dein Lagerbestand sein?
Die optimale Lagerbestandshöhe hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Nachfrage nach Produkten, Lieferzeiten und Saisonabhängigkeiten. Ein ausgewogenes Mass an Lagerbestand ist wichtig, um Engpässe zu vermeiden und Kundenbedürfnisse zu erfüllen, ohne übermässige Lagerkosten zu verursachen.
Als Unternehmen solltest du also versuchen, den Lagerbestand so zu optimieren, dass genügend Ware für den Verkauf vorhanden ist, aber auch nicht zu viel, um keine unnötigen Kosten zu verursachen.
Warum ist ein optimaler Lagerbestand wichtig?
Ein zu niedriger und ein zu hoher Lagerbestand können sich negativ auf den Geschäftserfolg auswirken: Ein hoher Lagerbestand geht mit hohen Kosten, einem unternehmerischen Risiko und unter Umständen einem negativen Cashflow einher. Ein niedriger Lagerbestand kann zur Folge haben, dass benötigte Waren nicht verfügbar sind, Kunden unzufrieden sind und zur Konkurrenz abspringen.
Dein Ziel sollte darum immer sein, in deinem Unternehmen einen möglichst optimalen Lagerbestand zu haben. Dadurch sind Bestellungen sofort lieferfähig beziehungsweise Produktionsverzögerungen können vermieden werden. Denn die benötigten Waren oder Stoffe sind in ausreichender Menge verfügbar, ohne dass sie sich unnötigerweise in Massen im Lager stauen.
Wie wirkt sich der Lagerbestand auf den Gewinn aus?
Der Lagerbestand kann den Gewinn auf verschiedene Weisen beeinflussen. Zu viel Lagerbestand kann zu höheren Lagerkosten führen, während zu wenig Lagerbestand zu verpassten Verkaufschancen oder zusätzlichen Beschaffungskosten führen kann.
Ein ausgewogener Lagerbestand hingegen ermöglicht effiziente Betriebsabläufe, minimiert Lagerkosten und trägt dazu bei, dass Produkte rechtzeitig verfügbar sind, was sich positiv auf den Umsatz und letztendlich auf den Gewinn auswirken kann.
Welche Rolle spielt der Lagerbestand in der Bilanz?
Aus Sicht der Bilanz zählt der Lagerbestand zum Umlaufvermögen beziehungsweise Vorratsvermögen.
Teste jetzt die Nr.1 der Schweiz
Überzeuge dich 30 Tage lang kostenlos und unverbindlich.
Bei der Registrierung deiner Daten ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuche es erneut oder, falls das Problem weiterhin besteht, wende dich bitte an unseren Support unter [email protected] oder +41 (0)71 552 00 61.