Warum ist der Lagerumschlag wichtig?
Der Lagerumschlag zeigt, wie oft die Waren im Lager während eines bestimmten Zeitraums bewegt werden. Ein höherer Lagerumschlag deutet darauf hin, dass Produkte effizienter verkauft werden. Der Lagerumschlag ist somit ein wichtiger Indikator für den langfristigen Unternehmenserfolg.
Kundenzufriedenheit
Die Lagerumschlagshäufigkeit hat einen entscheidenden Einfluss auf die Kundenzufriedenheit. Wichtig dabei ist allerdings, die Häufigkeit des Lagerumschlags auf die jeweiligen Produkte, die verkauft werden, abzustimmen.
Gerade dann, wenn frische Produkte verkauft werden, sollte der Lagerumschlag möglichst hoch sein. Denn je höher dieser ist, desto frischer sind die Produkte und desto höher ist auch die Kundenzufriedenheit.
Gleichzeitig kann ein sehr hohe Lagerumschlagshäufigkeit aber auch ein Hinweis darauf sein, dass ständig zu wenige Waren auf Lager und viele Artikel ausverkauft sind. Können Kunden wiederholt Produkte nicht kaufen, kann dies dazu führen, dass sie mit dem Unternehmen unzufrieden sind und zur Konkurrenz abwandern.
Um die Zufriedenheit von Kunden gewährleisten zu können, muss darum die für das eigene Unternehmen richtige Lagerumschlagshäufigkeit gefunden und gehalten werden.
Lagerkosten
Je niedriger der Lagerumschlag ist, desto höher sind in vielen Fällen die Lagerkosten. Schliesslich müssen viele Produkte gelagert werden – und das über eine lange Zeit.
Durch die Betrachtung des Lagerumschlags ist es möglich, Probleme in Bezug auf die Lagerhaltung zu erkennen und zu überarbeiten. So können Lagerkosten gesenkt und das Unternehmen rentabler gemacht werden.
Cashflow
Eine höhere Lagerumschlagshäufigkeit kann auch zur Verbesserung des Cashflows beitragen. Je schneller die Artikel aus dem Lager verkauft werden, desto schneller werden die Bestände in Bargeld umgewandelt. Dies wirkt sich positiv auf die Liquidität und die finanzielle Stabilität deines Unternehmens aus.
Kostenmanagement
Ausserdem ist der Lagerumschlag eine wichtige Kennzahl, um herauszufinden, wie gut dein Unternehmen im Hinblick auf das Kostenmanagement agiert.
Eine niedrige Lagerumschlagshäufigkeit kann darauf hinweisen, dass dein Unternehmen unnötige Kosten hat – wie für die erhöhte benötigte Lagerfläche, das gebundene Kapital und das Risiko, dass Produkte verfallen oder altern. Je schlechter dein Lagerumschlag ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du viele Produkte letztendlich entsorgen musst und somit unnötig Geld verschwendest.
Unternehmensmanagement
Grundsätzlich gilt bei der Unternehmensführung stets: Je besser dein Überblick über sämtliche Abläufe und Kennzahlen, desto grösser kann langfristig auch dein Erfolg sein. Schliesslich kannst du nur dann fundierte Entscheidungen treffen und deine Betriebs- und Finanzstrategie hinreichend überwachen, wenn du sämtliche Zahlen der Buchhaltung im Blick hast.
Durch die regelmässige Berechnung des Lagerumschlags erhältst du einen sofortigen Überblick darüber, wie effizient dein Unternehmen bei der Lagerhaltung agiert und ob es Verbesserungsbedarf gibt.
Wie wird der Lagerumschlag berechnet?
Um die Lagerumschlagshäufigkeit deines Unternehmens zu berechnen, musst du zunächst den durchschnittlichen Lagerbestandswert für den Zeitraum, in dem du den Lagerumschlag betrachten möchtest, ermitteln:
Durchschnittlicher Lagerbestand = (Wert Anfangslagerbestand + Wert Endlagerbestand) / 2
Nun benötigst du nur noch den Wareneinsatz in dem jeweiligen Zeitraum. Anhand dieser Zahlen kannst du die Lagerumschlagshäufigkeit berechnen:
Lagerumschlagshäufigkeit = Wareneinsatz / durchschnittlicher Lagerbestand
In der Regel werden für die Berechnung des Lagerumschlags die letzten 12 Monate betrachtet. Je nach gewünschten Erkenntnissen kann aber auch ein anderer Zeitraum gewählt werden. Egal ob jährlich, halbjährlich, vierteljährlich oder auch monatlich – wichtig ist nur, dass du bei der Berechnung des Lagerumschlags immer den gleichen Zeitrahmen verwendest, damit du verschiedene Zeiträume miteinander vergleichen und herausfinden kannst, ob es dir gelungen ist, den Lagerumschlag zu verbessern.
Beispiel: Ein Möbelgeschäft möchte die Lagerumschlagshäufigkeit für Betten im letzten Geschäftsjahr berechnen. Dabei geht es wie folgt vor:
Im betrachteten Zeitraum von einem Jahr wurden Betten mit einem Wert von CHF 150’000 aus dem Lager verkauft. Durchschnittlich betrug der Lagerbestandswert der Betten im letzten Jahr CHF 30’000. Die Lagerumschlagshäufigkeit (LUH) für Betten berechnet sich daher wie folgt:
LUH Betten = 150’000 (Wareneinsatz) / 30’000 (durchschnittlicher Lagerbestand) = 5
Die LUH von 5 zeigt, dass die Bett-Bestände im Durchschnitt fünfmal pro Jahr umgeschlagen werden.
Wie wirkt sich der Lagerumschlag auf das Lager aus?
Der Lagerumschlag hilft dabei, den Lagerbestand zu kontrollieren, denn er zeigt, wie effizient die Lagerbestände bewegt werden. Hohe beziehungsweise niedrige Lagerbestände können unterschiedliche Auswirkungen auf den Erfolg eines Unternehmens haben:
Hoher Lagerumschlag
Ein höherer Lagerumschlag bedeutet, dass Produkte schneller verkauft werden, was Platz im Lager spart und die Lagerkosten senkt. Dies kann zu einer besseren Kapitalrendite und einer geringeren Gefahr der Überalterung von Waren führen.
Beachte dabei, dass ein sehr hoher Lagerumschlagswert aber nicht zwingend besser ist. Denn zwar deutet er auf eine sehr effiziente Verwaltung des Lagers hin, allerdings kann er auch ein Hinweis darauf sein, dass du zu wenig Waren verfügbar hast und somit die Nachfrage nicht bedienen kannst.
Darum gilt: Achte auf einen ausreichend hohen Lagerumschlag, berechne dabei aber auch die Lieferzeiten – und mögliche Lieferverzögerungen – von Nachbestellungen bei deinen Lieferanten ein. Investiere stets in einen gewissen Sicherheitsbestand, der dich vor unvorhergesehenen Ereignissen absichern kann.
Niedriger Lagerumschlag
Ein niedriger Lagerumschlag kann auf übermässige Lagerbestände hindeuten, was Platzprobleme und höhere Lagerkosten verursacht.
Somit kann eine niedrige Lagerumschlagshäufigkeit zeigen, dass Verkaufsstrategien fehlerhaft sind und sich potentielle Kunden nicht angesprochen fühlen oder du überhöhte Preise für deine Produkte verlangst. Es kann aber auch ein Hinweis auf eine mangelnde Warenwirtschaft sein: Es besteht die Möglichkeit, dass im Rahmen des Wareneinkaufs zu viele oder die falschen Waren bestellt werden, welche dann über lange Zeit im Lager liegen.
Du solltest einen niedrigen Lagerumschlagswert darum als Chance sehen, Problemstellen in deinem Unternehmen identifizieren und beseitigen zu können.
Wie hoch sollte der Lagerumschlag sein?
Doch welcher Lagerumschlagswert ist nun gut, und bei welchen Werten gibt es Verbesserungsbedarf? Grundsätzlich gilt ein Wert von vier bis sechs gemeinhin als guter Lagerumschlagswert. Welchen Wert du erreichen solltest, ist aber davon abhängig, in welcher Branche du tätig bist und welche Artikel du verkaufst.
So gibt es grosse Unterschiede bei Unternehmen verschiedener Branchen:
a) Bei Lebensmittelunternehmen ist, aufgrund der schnellen Verderblichkeit der Produkte, ein hoher Lagerumschlagswert – üblicherweise im zweistelligen Bereich – essentiell. Nur so kann vermieden werden, einen hohen Anteil des Bestands entsorgen zu müssen. Üblicherweise wird ein Grossteil des Bestands alle paar Tage erneuert.
b) Ganz anders verhält es sich aber bei einem Unternehmen, das sich auf die Restauration von antiken Möbeln spezialisiert hat. In diesem Fall liegt der Lagerumschlag aufgrund der Einzigartigkeit, der Hochwertigkeit und der begrenzten Verfügbarkeit von antiken Möbelstücken eher im Bereich von eins oder zwei. Da die Nachfrage nicht so hoch ist wie bei schnelldrehenden Konsumgütern und auch kein Risiko der Verderblichkeit besteht, kann das Unternehmen einen niedrigeren Lagerumschlag haben.
Wie kann man die Lagerumschlagshäufigkeit erhöhen?
Hat die Berechnung der Lagerumschlagshäufigkeit deines Unternehmens ergeben, dass es Verbesserungsbedarf gibt? Du kannst verschiedene Massnahmen ergreifen, um die Umschlagshäufigkeit deiner Lagerbestände zu verbessern:
- Implementierung eines Systems: Verwende ein modernes Lagerverwaltungssystem, um den Lagerbestand genau überwachen zu können.
- Optimierung des Bestandsmanagements: Befasse dich genau mit deinem Lagerbestand und den Kaufpräferenzen deiner Kunden. So kannst du veraltete oder sich sehr langsam bewegende Artikel identifizieren und gegebenenfalls Bestände aussortieren.
- Effizientes Bestellwesen: Überprüfe und optimiere die Bestellmengen, um den Lagerbestand an die Nachfrage anzupassen. Implementiere gegebenenfalls Just-in-Time-Bestellprinzipien, um die Lagerbestände und Lagerdauer zu minimieren.
- Bestandsabbau: Haben manche der Produkte, die du verkaufst, einen Lagerumschlagswert von unter eins, dann solltest du in Betracht ziehen, diese Regal-Hüter zu entfernen. So bedeutet beispielsweise ein Lagerumschlagswert von 0.5, dass nur die Hälfte des Bestands dieses Produktes im Jahr verkauft wird, die andere Hälfte liegt unberührt im Lager. Dies ist nur in seltenen Fällen vorteilhaft.
- Anreize für schnellere Verkäufe: Implementiere Sonderangebote oder Rabatte für ältere Bestände, um den Verkauf zu fördern. Auch saisonale Verkaufsaktionen können die Umschlagshäufigkeit steigern.
- Schnellere Abwicklungsprozesse: Verbessere die Effizienz bei der Kommissionierung und Verpackung von Bestellungen. Automatisiere die Prozesse des Warenausgangs, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen. Auch dies trägt dazu bei, dass die Waren kürzere Zeit in deinem Lager bleiben.
- Effizientes Marketing: Das Marketing kann einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie viele und vor allem auch welche deiner Produkte gut verkauft werden. Überprüfe darum deine Marketingaktionen und identifiziere Punkte, bei denen es Verbesserungsbedarf gibt.
- Enge Zusammenarbeit im Unternehmen: Egal ob Einkauf, Marketing oder Vertrieb – sämtliche Bereiche eines Unternehmens haben einen Einfluss auf den Lagerumschlag. Stelle daher sicher, dass alle Bereiche gut zusammenarbeiten, anstatt auf getrennte Strategien zu setzen.
- Echtzeit-Datenverwaltung: Nutze Echtzeitdaten, um schnelle Entscheidungen über Bestände und Nachfrage zu treffen. Implementiere eine effiziente Kommunikation zwischen Vertrieb und Lager, um schnell auf Markttrends reagieren zu können.
- Nutzung von Kundenfeedback: Berücksichtige Kundenbewertungen und Feedback bei deiner Lagerbestandsplanung, um das Sortiment an die Bedürfnisse und Präferenzen deiner Kunden anzupassen.
- Optimierung der Lieferkette: Arbeite eng mit Lieferanten zusammen, um Lieferzeiten zu verkürzen und dadurch gegebenenfalls einen niedrigeren Sicherheitsbestand zu benötigen. Verhandle zudem günstige Konditionen und flexible Liefermengen, um die Bestandshaltung weiter zu minimieren.