Der Lagerumschlag und seine Berechnung

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Immer genau die richtige Menge aller Produkte auf Lager zu haben, ist eine Herausforderung. Um dies dennoch zu erreichen, sollten Sie stets einen guten Überblick über Ihren Bestand haben. Vor allem die regelmässige Berechnung und Optimierung des sogenannten «Lagerumschlags» kann Ihnen dabei helfen.

Erfahren Sie in diesem Beitrag, mit welcher Formel Sie den Lagerumschlag berechnen können. Mit praktischen Tipps können Sie die Lagerumschlagshäufigkeit Ihres KMU in der Folge erhöhen und als Unternehmen erfolgreicher werden.

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Was ist der Lagerumschlag?

Der Lagerumschlag ist eine Kennzahl, die angibt, wie oft der Bestand eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum verkauft oder verbraucht wurde. Je höher die Lagerumschlagshäufigkeit, desto häufiger wird der Bestand erneuert.

Warum ist der Lagerumschlag wichtig?

Der Lagerumschlag zeigt, wie oft die Waren im Lager während eines bestimmten Zeitraums bewegt werden. Ein höherer Lagerumschlag deutet darauf hin, dass Produkte effizienter verkauft werden. Der Lagerumschlag ist somit ein wichtiger Indikator für den langfristigen Unternehmenserfolg.

Kundenzufriedenheit

Die Lagerumschlagshäufigkeit hat einen entscheidenden Einfluss auf die Kundenzufriedenheit. Wichtig dabei ist allerdings, die Häufigkeit des Lagerumschlags auf die jeweiligen Produkte, die verkauft werden, abzustimmen.

Gerade dann, wenn frische Produkte verkauft werden, sollte der Lagerumschlag möglichst hoch sein. Denn je höher dieser ist, desto frischer sind die Produkte und desto höher ist auch die Kundenzufriedenheit.

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Abb.: Wenn frische Produkte verkauft werden, sollte der Lagerumschlag möglichst hoch sein.

Gleichzeitig kann ein sehr hohe Lagerumschlagshäufigkeit aber auch ein Hinweis darauf sein, dass ständig zu wenige Waren auf Lager und viele Artikel ausverkauft sind. Können Kunden wiederholt Produkte nicht kaufen, kann dies dazu führen, dass sie mit dem Unternehmen unzufrieden sind und zur Konkurrenz abwandern.

Um die Zufriedenheit von Kunden gewährleisten zu können, muss darum die für das eigene Unternehmen richtige Lagerumschlagshäufigkeit gefunden und gehalten werden.

Lagerkosten

Je niedriger der Lagerumschlag ist, desto höher sind in vielen Fällen die Lagerkosten. Schliesslich müssen viele Produkte gelagert werden – und das über eine lange Zeit.

Durch die Betrachtung des Lagerumschlags ist es möglich, Probleme in Bezug auf die Lagerhaltung zu erkennen und zu überarbeiten. So können Lagerkosten gesenkt und das Unternehmen rentabler gemacht werden.

Cashflow

Eine höhere Lagerumschlagshäufigkeit kann auch zur Verbesserung des Cashflows beitragen. Je schneller die Artikel aus dem Lager verkauft werden, desto schneller werden die Bestände in Bargeld umgewandelt. Dies wirkt sich positiv auf die Liquidität und die finanzielle Stabilität Ihres Unternehmens aus.

Kostenmanagement

Ausserdem ist der Lagerumschlag eine wichtige Kennzahl, um herauszufinden, wie gut Ihr Unternehmen im Hinblick auf das Kostenmanagement agiert.

Eine niedrige Lagerumschlagshäufigkeit kann darauf hinweisen, dass Ihr Unternehmen unnötige Kosten hat – wie für die erhöhte benötigte Lagerfläche, das gebundene Kapital und das Risiko, dass Produkte verfallen oder altern. Je schlechter Ihr Lagerumschlag ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie viele Produkte letztendlich entsorgen müssen und somit unnötig Geld verschwenden.

Unternehmensmanagement

Grundsätzlich gilt bei der Unternehmensführung stets: Je besser Ihr Überblick über sämtliche Abläufe und Kennzahlen, desto grösser kann langfristig auch Ihr Erfolg sein. Schliesslich können Sie nur dann fundierte Entscheidungen treffen und Ihre Betriebs- und Finanzstrategie hinreichend überwachen, wenn Sie sämtliche Zahlen der Buchhaltung im Blick haben.

Durch die regelmässige Berechnung des Lagerumschlags erhalten Sie einen sofortigen Überblick darüber, wie effizient Ihr Unternehmen bei der Lagerhaltung agiert und ob es Verbesserungsbedarf gibt.

Wie wird der Lagerumschlag berechnet?

Um die Lagerumschlagshäufigkeit Ihres Unternehmens zu berechnen, müssen Sie zunächst den durchschnittlichen Lagerbestandswert für den Zeitraum, in dem Sie den Lagerumschlag betrachten möchten, ermitteln:

Durchschnittlicher Lagerbestand = (Wert Anfangslagerbestand + Wert Endlagerbestand) / 2

Nun benötigen Sie nur noch den Wareneinsatz in dem jeweiligen Zeitraum. Anhand dieser Zahlen können Sie die Lagerumschlagshäufigkeit berechnen:

Lagerumschlagshäufigkeit = Wareneinsatz / durchschnittlicher Lagerbestand

In der Regel werden für die Berechnung des Lagerumschlags die letzten 12 Monate betrachtet. Je nach gewünschten Erkenntnissen kann aber auch ein anderer Zeitraum gewählt werden. Egal ob jährlich, halbjährlich, vierteljährlich oder auch monatlich – wichtig ist nur, dass Sie bei der Berechnung des Lagerumschlags immer den gleichen Zeitrahmen verwenden, damit Sie verschiedene Zeiträume miteinander vergleichen und herausfinden können, ob es Ihnen gelungen ist, den Lagerumschlag zu verbessern.

Beispiel: Ein Möbelgeschäft möchte die Lagerumschlagshäufigkeit für Betten im letzten Geschäftsjahr berechnen. Dabei geht es wie folgt vor:

Im betrachteten Zeitraum von einem Jahr wurden Betten mit einem Wert von CHF 150’000 aus dem Lager verkauft. Durchschnittlich betrug der Lagerbestandswert der Betten im letzten Jahr CHF 30’000. Die Lagerumschlagshäufigkeit (LUH) für Betten berechnet sich daher wie folgt:

LUH Betten = 150’000 (Wareneinsatz) / 30’000 (durchschnittlicher Lagerbestand) = 5

Die LUH von 5 zeigt, dass die Bett-Bestände im Durchschnitt fünfmal pro Jahr umgeschlagen werden.

Wie wirkt sich der Lagerumschlag auf das Lager aus?

Der Lagerumschlag hilft dabei, den Lagerbestand zu kontrollieren, denn er zeigt, wie effizient die Lagerbestände bewegt werden. Hohe beziehungsweise niedrige Lagerbestände können unterschiedliche Auswirkungen auf den Erfolg eines Unternehmens haben:

Hoher Lagerumschlag

Ein höherer Lagerumschlag bedeutet, dass Produkte schneller verkauft werden, was Platz im Lager spart und die Lagerkosten senkt. Dies kann zu einer besseren Kapitalrendite und einer geringeren Gefahr der Überalterung von Waren führen.

Beachten Sie dabei, dass ein sehr hoher Lagerumschlagswert aber nicht zwingend besser ist. Denn zwar deutet er auf eine sehr effiziente Verwaltung des Lagers hin, allerdings kann er auch ein Hinweis darauf sein, dass Sie zu wenig Waren verfügbar haben und somit die Nachfrage nicht bedienen können.

Darum gilt: Achten Sie auf einen ausreichend hohen Lagerumschlag, berechnen Sie dabei aber auch die Lieferzeiten – und mögliche Lieferverzögerungen – von Nachbestellungen bei Ihren Lieferanten ein. Investieren Sie stets in einen gewissen Sicherheitsbestand, der Sie vor unvorhergesehenen Ereignissen absichern kann.

Niedriger Lagerumschlag

Ein niedriger Lagerumschlag kann auf übermässige Lagerbestände hindeuten, was Platzprobleme und höhere Lagerkosten verursacht.

Somit kann eine niedrige Lagerumschlagshäufigkeit zeigen, dass Verkaufsstrategien fehlerhaft sind und sich potentielle Kunden nicht angesprochen fühlen oder Sie überhöhte Preise für Ihre Produkte verlangen. Es kann aber auch ein Hinweis auf eine mangelnde Warenwirtschaft sein: Es besteht die Möglichkeit, dass im Rahmen des Wareneinkaufs zu viele oder die falschen Waren bestellt werden, welche dann über lange Zeit im Lager liegen.

Sie sollten einen niedrigen Lagerumschlagswert darum als Chance sehen, Problemstellen in Ihrem Unternehmen identifizieren und beseitigen zu können.

Wie hoch sollte der Lagerumschlag sein?

Doch welcher Lagerumschlagswert ist nun gut, und bei welchen Werten gibt es Verbesserungsbedarf? Grundsätzlich gilt ein Wert von vier bis sechs gemeinhin als guter Lagerumschlagswert. Welchen Wert Sie erreichen sollten, ist aber davon abhängig, in welcher Branche Sie tätig sind und welche Artikel Sie verkaufen.

So gibt es grosse Unterschiede bei Unternehmen verschiedener Branchen:

a) Bei Lebensmittelunternehmen ist, aufgrund der schnellen Verderblichkeit der Produkte, ein hoher Lagerumschlagswert – üblicherweise im zweistelligen Bereich – essentiell. Nur so kann vermieden werden, einen hohen Anteil des Bestands entsorgen zu müssen. Üblicherweise wird ein Grossteil des Bestands alle paar Tage erneuert.

b) Ganz anders verhält es sich aber bei einem Unternehmen, das sich auf die Restauration von antiken Möbeln spezialisiert hat. In diesem Fall liegt der Lagerumschlag aufgrund der Einzigartigkeit, der Hochwertigkeit und der begrenzten Verfügbarkeit von antiken Möbelstücken eher im Bereich von eins oder zwei. Da die Nachfrage nicht so hoch ist wie bei schnelldrehenden Konsumgütern und auch kein Risiko der Verderblichkeit besteht, kann das Unternehmen einen niedrigeren Lagerumschlag haben.

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Abb.: Ein Unternehmen, das antike Möbel restauriert, kann einen niedrigeren Lagerumschlag haben.

Wie kann man die Lagerumschlagshäufigkeit erhöhen?

Hat die Berechnung der Lagerumschlagshäufigkeit Ihres Unternehmens ergeben, dass es Verbesserungsbedarf gibt? Sie können verschiedene Massnahmen ergreifen, um die Umschlagshäufigkeit Ihrer Lagerbestände zu verbessern:

  • Implementierung eines Systems: Verwenden Sie ein modernes Lagerverwaltungssystem, um den Lagerbestand genau überwachen zu können.
  • Optimierung des Bestandsmanagements: Befassen Sie sich genau mit Ihrem Lagerbestand und den Kaufpräferenzen Ihrer Kunden. So können Sie veraltete oder sich sehr langsam bewegende Artikel identifizieren und gegebenenfalls Bestände aussortieren.
  • Effizientes Bestellwesen: Überprüfen und optimieren Sie die Bestellmengen, um den Lagerbestand an die Nachfrage anzupassen. Implementieren Sie gegebenenfalls Just-in-Time-Bestellprinzipien, um die Lagerbestände und Lagerdauer zu minimieren.
  • Bestandsabbau: Haben manche der Produkte, die Sie verkaufen, einen Lagerumschlagswert von unter eins, dann sollten Sie in Betracht ziehen, diese Regal-Hüter zu entfernen. So bedeutet beispielsweise ein Lagerumschlagswert von 0.5, dass nur die Hälfte des Bestands dieses Produktes im Jahr verkauft wird, die andere Hälfte liegt unberührt im Lager. Dies ist nur in seltenen Fällen vorteilhaft.
  • Anreize für schnellere Verkäufe: Implementieren Sie Sonderangebote oder Rabatte für ältere Bestände, um den Verkauf zu fördern. Auch saisonale Verkaufsaktionen können die Umschlagshäufigkeit steigern.
  • Schnellere Abwicklungsprozesse: Verbessern Sie die Effizienz bei der Kommissionierung und Verpackung von Bestellungen. Automatisieren Sie die Prozesse des Warenausgangs, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen. Auch dies trägt dazu bei, dass die Waren kürzere Zeit in Ihrem Lager bleiben.
  • Effizientes Marketing: Das Marketing kann einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie viele und vor allem auch welche Ihrer Produkte gut verkauft werden. Überprüfen Sie darum Ihre Marketingaktionen und identifizieren Sie Punkte, bei denen es Verbesserungsbedarf gibt.
  • Enge Zusammenarbeit im Unternehmen: Egal ob Einkauf, Marketing oder Vertrieb – sämtliche Bereiche eines Unternehmens haben einen Einfluss auf den Lagerumschlag. Stellen Sie daher sicher, dass alle Bereiche gut zusammenarbeiten, anstatt auf getrennte Strategien zu setzen.
  • Echtzeit-Datenverwaltung: Nutzen Sie Echtzeitdaten, um schnelle Entscheidungen über Bestände und Nachfrage zu treffen. Implementieren Sie eine effiziente Kommunikation zwischen Vertrieb und Lager, um schnell auf Markttrends reagieren zu können.
  • Nutzung von Kundenfeedback: Berücksichtigen Sie Kundenbewertungen und Feedback bei Ihrer Lagerbestandsplanung, um das Sortiment an die Bedürfnisse und Präferenzen Ihrer Kunden anzupassen.
  • Optimierung der Lieferkette: Arbeiten Sie eng mit Lieferanten zusammen, um Lieferzeiten zu verkürzen und dadurch gegebenenfalls einen niedrigeren Sicherheitsbestand zu benötigen. Verhandeln Sie zudem günstige Konditionen und flexible Liefermengen, um die Bestandshaltung weiter zu minimieren.

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Um Ihren Lagerumschlag optimieren zu können, ist es wichtig, dass Sie sämtliche Kennzahlen und Bereiche Ihres Lagers und Bestands stets im Blick haben. Die Lagerverwaltungssoftware von bexio zeigt Ihnen übersichtlich Ihre aktuellen Lagerbestände und alle Kennzahlen, die Sie benötigen, um Defizite erkennen und Ihren Lagerumschlag verbessern zu können. Testen Sie jetzt bexio 30 Tage kostenlos und unverbindlich.

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Häufig gestellte Fragen zum Lagerumschlag

Was ist ein guter Lagerumschlag?

Grundsätzlich gilt ein Lagerumschlag ab circa fünf als gut. Was ein guter Lagerumschlag ist, hängt aber vor allem von der Branche des Unternehmens ab – also davon, welche Waren es auf Lager hat.

Welche Auswirkungen hat ein niedriger Lagerumschlag?

Ein niedriger Lagerumschlag kann verschiedene negative Auswirkungen haben. Dazu gehören höhere Lagerkosten aufgrund von Platzbedarf für überschüssige Bestände, das Risiko von veralteten oder unverkäuflichen Produkten sowie die Bindung von Kapital in ungenutzten Lagerbeständen.

Ein ineffizienter Lagerumschlag kann somit auch die Liquidität beeinträchtigen und die Fähigkeit des Unternehmens behindern, sich an sich ändernde Marktbedingungen anzupassen. Schliesslich ist Kapital, das anderweitig genutzt werden könnte, im Lager gebunden.

Warum sind hohe Lagerbestände schlecht?

Hohe Lagerbestände sind schlecht, da sie zu erhöhten Lagerkosten führen. Dazu zählen Kosten für Lagerhaltung, Versicherung und möglicherweise Verderb oder Verfall von Waren. Hohe Lagerbestände erhöhen auch das Risiko von Verlusten durch obsolet gewordene oder unverkäufliche Produkte.

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