Letztes Update 01. Juni, 2023|Geschrieben von bexio-Redaktion
Aller Anfang ist schwer… Das ist nicht einfach nur ein Spruch, sondern vor allem Gründern bestens bekannt. Da hast du die erfolgsversprechende Geschäftsidee im Kopf, aber es fehlt das Kapital, um die Idee zum Leben zu erwecken. Da Geld bekanntlich nicht vom Himmel fällt, bleibt aber die Variante des «Crowdfunding». Diese Art der Finanzierung ermöglicht jungen Unternehmern, Geld von fremden Menschen zu sammeln, um damit ihre Geschäftsidee realisieren zu können. In diesem Beitrag gehen wir genauer auf diese Finanzierungsmöglichkeit ein, nennen bekannte Plattformen und geben Tipps rund um das Thema Crowdfunding.
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Inhaltsverzeichnis
Was ist Crowdfunding und wie funktioniert es?
ℹ️ Crowdfunding bedeutet «Finanzierung über die Masse» und ist eine Finanzierungsform, mit der Unternehmen Gelder über fremde Personen einnehmen. Die «Masse» oder die Crowd spendet Startups Geld und wird somit zu Geldgebern (Funder). Mit diesen Geldern kann das junge Unternehmen seine Business-Idee realisieren. Diese Art der Finanzierung wird auch Schwarmfinanzierung genannt.
Kennst du die TV-Show «Höhle der Löwen»?
Hier versuchen junge Unternehmer die «Löwen» mit ihrer Startup-Idee zu überzeugen. Auch sie benötigen für die nächsten Schritte in ihrem Unternehmen (z. B. Massenproduktion, Marketing, oder professionelle Entwicklung eines Produktes) Geld. Gerade wenn die Idee sehr neu und noch eher unbekannt ist, sind Banken nicht so einfach für Kredite zu überzeugen und fallen als Geldgeber daher oft raus. In der Höhle der Löwen stellen sich erfolgreiche Unternehmer, die ein grosses Vermögen besitzen, als Investoren zur Verfügung. Gründer machen die Investoren mit ihrem Pitch «gwundrig» und gewinnen im besten Falle einen Löwen, der ihnen die nötige Investition im Gegenzug für Unternehmensanteile gibt. Auch dies ist eine Art der Finanzierung – gerade wenn man noch sehr am Anfang mit seinem Business steht.
Was kann man als Jungunternehmer mit seinem Startup also tun, wenn Banken keinen Kredit gewähren und man keine erfolgreichen Investoren, wie in «Höhle der Löwen», kennt? Statt einer Finanzierung über «wenige», lohnt sich der Gedanke an das Thema Crowdfunding.
Beim Crowdfunding publizierst du deine Idee oder deinen Prototyp auf speziellen Online-Plattformen. Wenn Menschen von deinem Geschäftsmodell überzeugt sind und an das Produkt oder die Idee glauben, können sie direkt über die Plattform Geld spenden. Dieses kann der Unternehmer dann für das Wachstum bzw. für die Weiterentwicklung seines Business nutzen. Je mehr Menschen überzeugt sind und spenden (Stichwort Schwarmfinanzierung), desto schneller erreicht der Unternehmer den angefragten Betrag. Um den Geldgeber für seine Spende bzw. Investition zu entschädigen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Die verschiedenen Arten von Crowdfunding
Art des Crowdfunding
Erklärung
Reward-based Crowdfunding
Der Geldgeber erwartet eine nicht-finanzielle Gegenleistung, wie beispielsweise das entwickelte Produkt.
Donation-based Crowdfunding
Die Investoren erwarten keine Gegenleistung, sondern spenden das Geld aus freien Stücken, um Jungunternehmer zu unterstützen.
Lending-based Crowdfunding
Geld wird von den Investoren geliehen, was bedeutet, dass die Unternehmer bei erfolgreichem Projekt das Geld zurückzahlen müssen.
Equity-based Crowdfunding
Im Gegenzug für die Investition erhalten die Geldgeber Anteile am Unternehmen (z. B. Aktien).
Abb.: Wenn Crowdfunding funktioniert, können Jungunternehmen die nächsten Schritte angehen.
Was ist der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting?
Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting liegt in der Gegenleistung, die der Geldgeber vom Kapitalempfänger nach erfolgter Leistung erhält. Während beim Crowdfunding die drei oben genannten Arten der Gegenleistungen möglich sind (v. a. reward-based Crowdfunding), erhält der Investor beim Crowdinvesting Zinsen für das Darlehen. Damit ist Crowdinvesting vergleichbar mit einem Kredit.
Crowdfunding
Crowdinvesting
Finanzierung über
Masse
Masse
Gegenleistung in Form von...
Produkt / Dienstleistung
Zurückzahlung des Betrages
Anteile am Unternehmen
Zinse
Was sind die Vor- und Nachteile von Crowdfunding?
Die Finanzierungsform gewinnt immer mehr an Beliebtheit und ist doch nicht für jedes Unternehmen gleichermassen geeignet. Jeder Unternehmer muss für sich selbst entscheiden, ob Crowdfunding für sein Business das Richtige ist. Wäge selbst für dich die Vor- und Nachteile ab:
Vorteile von Crowdfunding
Produkttest: Du kannst vor Markteinführung testen, ob das Produkt / die Dienstleistung bei der breiten Masse ankommt und am Markt Bestand hätte.
Kunden: Du hast die Möglichkeit, einen ersten Kundenstamm zu gewinnen.
Erfahrungssammlung: Du machst erste Erfahrungen mit der Vermarktung deiner Geschäftsidee und kannst Learnings für dein späteres Marketing mitnehmen und anpassen.
Netzwerk: Die Plattformen werden oftmals auch zum Austausch genutzt. So erhältst du beispielsweise gute Feedbacks oder Kommentare, die dir bei der Entwicklung weiterhelfen können.
Einfachere Finanzierung: Keine Verschuldung bei einer Bank mit hohen Zinssätzen zu Beginn der Selbstständigkeit.
Nachteile von Crowdfunding
Unsicherheit: Keine Garantie für die Finanzierung. Wenn dein Produkt oder Dienstleistung die Masse nicht überzeugt, kommt der angefragte Betrag nicht zustande.
Zurückhaltung der Investoren: Ob das Business mit der Investition Erfolg hat, ist für Geldgeber ein Risiko. Daher sind diese oft zurückhaltender und zögerlicher.
Wahl der richtigen Plattform: Da die Crowdfunding Plattform als Vermittler zwischen Investor und Geldempfänger steht, ist es wichtig, eine seriöse und vertrauenswürdige Plattform zu wählen.
Hoher Zeitaufwand: Um deine Business-Idee auf einer Plattform zu vermarkten, braucht es Zeit und Einsatz. Du musst deine Geschäftsidee überzeugend präsentieren und dabei geduldig sein, bis du genügend Investoren mit deiner Message erreicht hast.
Crowdfunding kann erfolgreich sein – die Zahlen belegen es: Im Jahr 2019 haben rund 180’000 Personen in der Schweiz Crowdfunding unterstützt.
Crowdfunding ist eine Möglichkeit zur Finanzierung und immer dann sinnvoll, wenn nicht ausreichend Eigenkapital zur Gründung, zur Herstellung oder Optimierung von Produkten vorhanden ist. Bevor du deine Crowdfunding-Kampagne planst, solltest du jedoch überlegen, ob deine Idee innovativ und reizend genug für eine Schwarmfinanzierung ist.
Ein Beispiel: Ist Crowdfunding sinnvoll?
Du möchtest ein Café in deinem Ort eröffnen? Vermutlich eher keine Idee, in die die Masse investieren würde. Aber beispielsweise ein Roboter, der für dich die Spülmaschine ausräumt? Definitiv innovativ und könnte mit Crowdfunding finanziert werden.
Wenn du an deine Idee und die Finanzierungsart glaubst, solltest du ausreichend Zeit einplanen, da beim Crowdfunding – anders als bei einem Investor – der angefragte Betrag nicht per sofort verfügbar ist. Um viele Menschen (die «Crowd») von deiner Idee zu überzeugen, benötigst du Zeit. Auch solltest du beachten, dass die Plattformen kein Marketing für deine Kampagne übernehmen. Daher solltest du deine publizierte Idee breitflächig streuen.
Zu berücksichtigen ist auch, dass die Finanzierung über Crowdfunding, anders als beispielsweise bei einem Bankenkredit, unsicher und nicht garantiert ist. Es kommt hin und wieder vor, dass Crowdfunding-Kampagnen nicht erfolgreich sind und die gefragte Summe nicht gesammelt werden kann. Dies solltest du als Unternehmer bei deiner Planung bedenken.
Welche Crowdfunding Plattformen für Startups gibt es in der Schweiz?
Im Jahr 2008 ging die erste Schweizer Crowdfunding Plattform «Cashare» online, die bis heute erfolgreich auf dem Markt ist. In den Jahren kamen weitere Plattformen dazu.
Folgende weitere Plattformen* bieten Crowdfunding an:
Doch nicht jede Plattform ist für jede Idee geeignet.
Bei der Auswahl der Plattform lohnt sich eine gründliche Recherche, da hin und wieder die Form der Finanzierung missbraucht wird und Gelder für Fake-Projekte gesammelt werden.
Des Weiteren spezialisieren sich manche Plattformen. Das bedeutet, dass sich beispielsweise Crowdhouse auf Immobilien fokussiert, Splendit auf Studierende und Weiterbildungsmassnahmen spezialisiert und loanbox für Schweizer Gemeinden und Kantone ist. Auch unterscheiden sich die Plattformen in ihren Bedingungen und Kosten. Daher lohnt sich ein Vergleich der Crowdfunding-Kosten. Wirf ebenfalls einen Blick auf die Statistiken der jeweiligen Seite. Wie viele Mitglieder hat diese Plattform? Ist die Community ausreichend? Wie viele Projekte wurden bereits veröffentlicht und wie hoch ist die Erfolgsquote? Gibt es ausreichend Geldgeber in der Community mit ernsthaften Investitionsabsichten?
Eine kurze Recherche, bevor du mit deiner Idee auf einer Plattform wirbst, lohnt sich also, um auch die bestmögliche Erfolgswahrscheinlichkeit zu erreichen.
Wie wird deine Crowdfunding-Kampagne zum Erfolg?
Schritt 1: Gute Planung zahlt sich aus
Eine Crowdfunding-Kampagne zu starten erfordert Zeit, Energie und Einsatz. Je besser du vorab planst, desto entspannter verläuft die Kampagnenlaufzeit.
Überlege dir, auf welchen Kanälen du für deine Kampagne werben möchtest (z. B. Instagram oder auf anderen sozialen Medien). Hier ist nicht nur entscheidend, wo du werben möchtest, sondern auch, mit welcher Message du die Aufmerksamkeit für deine Kampagne erreichen möchtest. Mache dir vor GoLive deiner Kampagne daher Gedanken, wie du deine Business-Idee kurz, markant und überzeugend auf der Plattform vorstellen möchtest.
Weitere Fragen, die du vorab klären solltest:
Benötigst du Bildmaterial oder ein Video?
Wen aus meinem privaten oder beruflichen Umfeld kann ich mit einbinden, um mehr Reichweite zu erzeugen?
Mit welchen Schlagwörtern möchtest du die Masse überzeugen, für dein Projekt Geld zu spenden?
Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht, wie die Gegenleistung für eine Investition aussehen soll? Finanziell oder in Form des Produktes?
Welchen Geldbetrag möchtest du über «Crowdfunding» finanziert bekommen?
Plane die Kampagne von Anfang bis Ende so gut wie möglich, um dir während der Laufzeit wertvolle Zeit zu sparen.
Schritt 2: Entscheide dich für die richtige Crowdfunding-Plattform
Wie bereits oben erwähnt, gibt es Plattformen, die sich auf unterschiedliche Themenbereiche oder Zielgruppen spezialisiert haben. Zudem solltest du vorab überprüfen, ob ähnliche Projekte aktuell angeboten werden oder sogar bereits erfolgreich abgeschlossen sind. Dann ist ein Erfolg deiner Kampagne wahrscheinlicher.
Schritt 3: Binde dein Netzwerk mit ein
Je mehr Personen du in dein Crowdfunding-Projekt einbindest, desto besser. Vielleicht kennst du einen Fotografen, der dir professionelle Bilder produzieren kann? Oder jemanden, der Marketing-Experte ist und dir beim Erstellen der Kampagne helfen kann? Durchsuche deine Kontakte und suche nach möglichen Unterstützern, von deren Know-how du profitieren kannst. Je mehr Input du bekommen kannst, desto besser kann deine Kampagne werden.
Schritt 4: Der gute Auftritt ist entscheidend
Egal, mit welchem Content du überzeugen möchtest – achte darauf, dass er möglichst «amächelig» ist und die «Crowd» anspricht. Nutze Fotos, Videos, Demo-Videos oder ähnliches, um deine Business-Idee im besten Licht zu präsentieren. Auch auf die Wortwahl kommt es an. Je prägnanter und vielleicht auch witziger dein Content, desto einfacher kannst du die Menschen von deiner Idee überzeugen. Steche aus der Masse heraus und kopiere keine Inhalte von anderen Seiten. Je ausgefallener und einzigartiger du bist, desto besser.
Schritt 5: Motiviere die «Crowd»
Einmal eine Kampagne live gestellt und das war es. Nein, so funktioniert eine gute Crowdfunding-Kampagne nicht. Du musst am Ball bleiben und mit deiner Community auf der Plattform in den Austausch gehen. Motiviere sie, informiere über Fortschritte, erzähle etwas von dir. Beachte dabei auch, dass die Menschen auf einer Crowdfunding–Plattform nicht homogen sind. Berücksichtige also die Vielfältigkeit der «Crowd» in deiner Kommunikation.
Schritt 6: Stay focused
Eine Crowdfunding-Kampagne braucht Zeit. Verliere daher nicht die Motivation und gib nicht auf. Bewerbe weiterhin fleissig deine Kampagne, sprich die Menschen über neue Kanäle an und halte deine Kampagnen-Seite up-to-date. Poste beispielsweise Fotos von Personen, die dein Produkt bereits als Dankeschön für ein Investment erhalten haben und dokumentiere erreichte Meilensteine.
Abb.: Deine Crowdfunding-Kampagne war erfolgreich und du kannst nun den nächsten Schritt angehen? Herzlichen Glückwunsch.
Was sind die Chancen und Risiken von Crowdfunding?
Chancen von Crowdfunding
Risiken von Crowdfunding
Chancen für neue Entwicklungen, Erfindungen und technologischen Fortschritt.
Verlust des Investments (als Geldgeber).
Investment ohne Verschuldung bei einer Bank oder einem einzelnen Investor (Geldempfänger).
Nicht-Zustande-Kommen des Projektes z. B. bei Krankheitsausfall o. ä. (Geldempfänger/ Geldgeber)
Knüpfen von ersten Kundenkontakten (Geldempfänger).
Investment in Fake-Projekte (Geldgeber).
Austausch mit erfahrenen Gründern oder Investoren, die zur Optimierung der Idee beitragen können (Geldempfänger).
Zielbetrag wird nicht erreicht und Projekt scheitert (als Geldempfänger).
Was passiert mit dem Geld, wenn Crowdfunding scheitert?
Wenn die angefragte Summe nicht zustande kommt, passiert erstmal folgendes: Das Projekt bzw. die Business-Idee kann nicht umgesetzt werden. Der Kampagnen-Inhaber hat in der Regel die Möglichkeit, die Laufzeit nochmals zu verlängern, um eventuell den Restbetrag noch zu erreichen.
Bei beendeten Projekten wird den Geldgebern häufig angeboten, ihr Investment auf andere Kampagnen umzulegen, für die Crowdfunding-Plattform zu spenden oder es wird wieder zurückgezahlt. Dies ist abhängig vom Angebot der jeweiligen Plattform.
bexio-Redaktion
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