13. September 2018 |

Einfach mal offline...

Zu viel von etwas ist meistens ungesund - zu viel Süsses, zu fettiges und ungesundes Essen, zu viel in der Sonne liegen, zu viel Fernsehen… Haben wir uns aber je Gedanken darüber gemacht, ob wir «zu viel Zeit online verbringen»? Für viele gehört «online sein» auch zum Beruf dazu. Emails beantworten, schreiben, mit Kunden, Lieferanten in Kontakt sein, Bestellungen tätigen, etc. Die Liste ist endlos. Das Smartphone ist schliesslich nicht nur unser stetiger Begleiter, es ist auch ein wahrer Alles-Könner: Wecker, Newsticker, E-Mail- Postfach, Kommunikationskanal, Kamera und vieles mehr.

Können wir also wirklich abschalten? Juckt es einen nicht schon in den Fingern, das Smartphone direkt nach der Landung in der Feriendestination wieder aus dem Flugmodus zu holen? Ist das schon Sucht? Können wir hier von einer Online-Sucht sprechen?

Was ist eigentlich «Detox»?

Den Begriff kennt man auch als Entgiftung, Entschlackung, Reinigung. Man möchte damit Giftstoffe aus dem Körper spülen und ihn reinigen; mit dem positiven Effekt, gleichzeitig ein paar Pfunde zu verlieren.

Ähnlich wie man beim Essen auf etwas verzichtet, verzichtet man beim Digital Detox auf seine elektronischen Geräte: Smartphone, Computer, Laptop, Tablet…

Die Ferien hat unsere Kollegin Johanna genutzt, mal komplett offline zu gehen:

Tag 1

Anreise im Hotel. Ich werde freundlich beim Check-In in Empfang genommen und mit meiner Zimmerkarte erhalte ich auch gleich einen Zettel mit allen Informationen zum Wlan-Zugang. Kaum im Zimmer angekommen, greife ich direkt zum Smartphone in der Tasche, um die Verbindung herzustellen - doch Fehlanzeige. Das Smartphone ist aus und muss es auch für die nächsten 7 Tage bleiben. Erste Enttäuschung.

Doch die Aussicht, einen Tag am Strand unter Palmen zu verbringen, lässt diese Enttäuschung schnell verblassen.

Am Strand angekommen, fehlt mir dann doch wieder mein Smartphone. Was für eine tolle Aussicht - wie kann ich jetzt ein Foto machen und diese Aussicht mit meinen Freunden teilen? Und Musik? Oder mein E-Book? Fehlanzeige. Ein Alternativ-Programm muss her.

Also wird Stand-Up-Paddeling ausprobiert und fleissig die Balance geübt. So oft, wie ich ins Wasser gefallen bin, war es wirklich sinnvoll, kein Handy dabei zu haben.

Abends gibt es im Hotel ein aufwändig dekoriertes und sehr leckeres Buffet! Ich möchte ein Foto machen und greife in die Tasche - kein Smartphone.

Also sauge ich die Bilder ein und geniesse den Moment - für mich!

In diesem Augenblick wird mir klar, dass ich häufig zuerst an ein perfektes Foto denke und daran, dies mit meinen Freunden zu teilen, statt es selbst zu geniessen. Meist steht ein herrliches Gericht vor mir oder ein zauberhaft angerichtetes Dessert - doch es vergehen Minuten bis zum ersten Bissen, da vorher das Foto drängt. Eigentlich verrückt.

 

Tag 2

Heute morgen kein Wecker-Klingeln - geht ja nicht: Das Smartphone ist aus. Die Sonne weckt mich und ich fühle mich erholt und freue mich auf den Tag.

Nach dem Aufwachen möchte ich am liebsten direkt nach meinem Smartphone greifen. Was ist passiert? Welche Neuigkeiten habe ich verpasst? Gab es überhaupt Neuigkeiten oder ist die letzte Facebook-Aktualisierung eines Freundes oder Instagram-Stars eigentlich doch nicht so dringend?

Auch heute fehlt mir am Stand die Musik, das Fotografieren und mein E-Book. Und ich gebe zu: Mir fehlt es, in den sozialen Medien auf dem aktuellen Stand zu sein. Ein bisschen stresst es mich, hier nicht über alles informiert und «up-to-date» zu sein.

 

Tag 3

Geweckt werde ich wieder von der Sonne, die ins Zimmer scheint. Kein künstliches Wecker-Klingeln, dass bei mir immer ein bisschen Stress auslöst.

Wie wird wohl das Wetter heute? Statt diese Information auf dem Smartphone aufzurufen, frage ich an der Rezeption nach. Hier bekomme ich nicht nur das heutige Wetter, sondern auch direkt Informationen über die Wassertemperatur und den Wind. Das sagt mir meine App nicht.

Bei einem Ausflug zu einem abgelegenen Wasserfall und den Markt merke ich jetzt deutlich, wie intensiv meine Erfahrungen werden, wenn ich mich auf sie einlasse und nicht immer zuerst an mein Smartphone denke.

Am Abend falle ich viel erholter ins Bett; voll mit Eindrücken, Inspirationen und Erinnerungen.

 

Tag 4

 

Tag 5

 

Tag 6

 

Tag 7
Die Ferien neigen sich langsam dem Ende entgegen. Ich habe viel entspannt, entdeckt und erfahren. An mein Smartphone habe ich von Tag zu Tag weniger gedacht. Dieses Gefühl der Unabhängigkeit war völlig neu - und ich möchte es nicht mehr missen.

Fazit

Das wichtigste Souvenir diesen Urlaubs ist die Erfahrung, dass «offline» gar nicht bedeutet «off» zu sein; man ist auf so vielen anderen Ebenen «on». Im Vergleich zu vergangenen Ferien, in denen mein Smartphone immer mein stetiger Begleiter war, empfinde ich jetzt eine viel grössere Entspannung. Klar, meine Freunde und Familie konnte ich nicht auf dem Laufenden halten und Updates geben. Aber kein Problem: Umso schöner, dies im Anschluss persönlich zu tun, zum Beispiel bei einem gemeinsamen Abendessen.

Statt ständig mit gesenktem Kopf auf das Display zu starren und nach dem Weg oder dem angesagten Restaurant zu suchen, habe ich den Kontakt zu Menschen gesucht. So habe ich von Einheimischen gute Tipps erhalten, die mir Google sicher nie vorgeschlagen hätte. Auch war ich dadurch viel offener - offener für die Kultur, die Leute, die Natur. Ich merke jetzt: War ich sonst «online» waren meine Augen dafür meist «offline» und der Fokus falsch gesetzt.

Ich rate jedem, diese «Digital Detox Kur» einmal auszuprobieren und seine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Zurück aus den Ferien bleibt nun auch mal abends das Smartphone aus. Auch wenn ich sonst im Alltag nur ungern auf meine digitalen Geräte, meine kleinen «Alles-Könner», verzichten möchte.

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