21.04.2017 | 0 Kommentare

GmbH, AG oder Einzelfirma: Die Unterschiede bei der Wahl der Rechtsform

Allein im Jahr 2015 wurden in der Schweiz rund 40'000 Unternehmen gegründet. Jeder Gründer muss sich für eine Rechtsform entscheiden, wobei in der Schweiz am häufigsten die Wahl auf eine dieser drei Rechtsformen fällt: Einzelfirma, Aktien­gesellschaft (AG) und Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Doch was sind die Unterschiede? Welches die Vor- und Nachteile? Und nach welchen Kriterien soll man entscheiden? Wir geben Antworten. 

Personen- oder Kapitalgesellschaft? Die Unterschiede

Grundsätzlich fällt die Wahl der Rechtsform auf eine Personen- oder eine Kapitalgesellschaft. Welche die bessere Wahl ist, hängt vor allem vom eingegangenen Risiko ab. Die Unterschiede im Detail:

  • Personengesellschaft
    Wie der Name nahelegt, tragen die eingetragenen Personen alle Risiken alleine. Sie haften im Ernstfall persönlich mit ihrem Privatvermögen. Inhaber von Personengesellschaften entscheiden sich für eine Einzelfirma, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft. Erstere eignet sich für Einzelpersonen. Gründen mehrere Partner ein Unternehmen, ist eine Kollektivgesellschaft meist die bessere Wahl.

  • Kapitalgesellschaft
    Anders als bei der Personengesellschaft haften die Unternehmer bei der Kapitalgesellschaft nur beschränkt, also für den bestimmten Betrag bzw. das Gesellschaftskapital. Dadurch gehen sie finanziell ein geringeres Risiko ein. Zu den Kapitalgesellschaften zählt etwa die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Aktiengesellschaft (AG).

Einzelfirma gründen?

  • Die Einzelfirma eignet sich vor allem für Einzelpersonen: Beispielweise Handwerksbetriebe wie Maler oder Schreiner, in denen vieles vom Inhaber abhängt
  • Kann ohne grossen Aufwand gegründet werden: Sie benötigt beispielsweise kein Mindestkapital. Ein Eintrag ins Handelsregister ist erst ab einem Jahresumsatz von CHF 100’000 nötig
  • Hohes persönliches Riskiko: Der Unternehmer haftet für die Firmenschulden mit seinem privaten Vermögen
  • Der Firmenname muss den Nachnamen des Gründers enthalten, also zum Beispiel «Schreinerei Moser»
  • Eine Beteiligung ist nicht möglich
  • Grundsätzlich erst ab einem Jahresumsatz über CHF 500'000 zur Buchhaltung verpflichtet
  • Keine gesetzliche Regelung

Aktiengesellschaft (AG)

  • Kleineres finanzielles Risiko: Für Schulden des Unternehmens haftet nur das Gesellschaftsvermögen. Bei einem Konkurs geht also höchstens das eingebrachte Aktienkapital verloren
  • Hohe Kapitalanforderungen: Für die Gründung ist ein Kapital von mindestens CHF 100’000 notwendig
  • Der Firmenname einer Aktiengesellschaft kann frei gewählt werden, auch Fantasienamen wie zum Beispiel «Mister Super Schreiner» sind möglich
  • Für Aktiengesellschaften gelten verschiedene Vorschriften: So muss beispielsweise jede AG einen Verwaltungsrat als oberstes Organ einsetzen und die Buchhaltung (ab 10 Vollzeitstellen) durch eine Revisionsgesellschaft prüfen lassen
  • Die Beteiligung geschieht in Form von Aktien
  • AG gilt als juristische Person, darum unterliegt sie auch der Pflicht zur Buchführung
  • Gesetzlich geregelt ist die Aktiengesellschaft im Obligationenrecht (OR) Art. 620 - 763

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

  • Kapitalgesellschaft: Die Gründer haften wie bei der AG nicht mit ihrem Privatvermögen für Schulden des Unternehmens, sondern nur mit dem Gesellschaftsbetrag
  • Für die Gründung einer GmbH ist ein Stammkapital von mindestens CHF 20’000 notwendig
  • Der Firmenname muss das Kürzel GmbH enthalten, zum Beispiel «Schreinerei Moser GmbH»
  • Es gelten Vorschriften wie bei einer AG: Der Eintrag ins Handelsregister, eine jährliche Gesellschafterversammlung und die Prüfung durch eine Revisionsstelle sind erforderlich
  • Eine Beteiligung ist möglich, und zwar in Form von Stammanteilen
  • GmbH gilt als juristische Person, darum unterliegt sie auch der Pflicht zur Buchführung
  • Gesetzlich ist die GmbH im Obligationenrecht (OR) Art. 772 - 827 geregelt

Wahl der Rechtsform als Teil der Firmengründung

Wer sich selbstständig macht und ein Unternehmen gründet, muss sich neben rechtlichen Fragen auch um Themen wie Businessplan, Finanzierung, Strategie oder die Buchhaltung kümmern. Darum haben wir 8 Beiträge verfasst, die Gründern weiterhelfen: zur Übersicht.

5 Tipps zur Wahl der Rechtsform

5 Tipps zur Wahl der Rechtsform

Personen- oder Kapitalgesellschaft? Einzelfirma, GmbH oder AG? Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht: 5 Tipps, die bei der Wahl der geeigneten Rechtsform weiterhelfen.

  • Tipp 1: Je höher das finanzielle Risiko, desto geeigneter ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).
  • Tipp 2: Beachten Sie bei der Wahl der Rechtsform nicht nur das vorgeschriebene Mindestkapital. Berücksichtigen Sie auch die Gründungskosten sowie den Kapitalbedarf für die nächsten Jahre.
  • Tipp 3: Wie viel Handlungsspielraum brauchen Sie? Je nach gewählter Rechtsform wird Ihre Unabhängigkeit mehr oder weniger stark eingeschränkt.
  • Tipp 4: Sollen die Einkünfte und Vermögen des Unternehmens und des Eigentümers getrennt oder zusammen besteuert werden? Hohe Gewinne werden bei Personengesellschaften meist höher besteuert als bei Kapitalgesellschaften. 
  • Tipp 5: Welche Sozialversicherungen brauche ich? Gründen Sie beispielsweise eine AG und GmbH, gelten Sie als angestellt und sind sozialversichert. Nicht aber, wenn Sie eine Einzelfirma gründen: Dann sind Sie zum Beispiel nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert.

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