06.11.2015 | 0 Kommentare

Was bedeutet das neue Rechnungslegungsrecht für KMU?

Gastbeitrag von Andreas Wüthrich, Dynamis Treuhand GmbH *

Am 1. Januar 2013 ist das neue Rechnungslegungsrecht (nRLG) in Kraft getreten. Es gilt zwingend für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2015. Unternehmen, die ihre Buchhaltung noch nicht vollständig angepasst haben, haben jetzt bis Ende Jahr die letzte Gelegenheit dazu.

Folgende vier Änderungen sind für Kleinunternehmen relevant (die Liste ist nicht vollständig).

Wer darf eine Milchbüchlein-Rechnung führen?

Je nach Unternehmensgrösse gelten unterschiedliche Vorschriften: Einzelunternehmungen und Personengesellschaften mit Jahresumsätzen unter CHF 500‘000 sowie Vereine und Stiftungen, die sich nicht ins Handelsregister eintragen müssen, können eine vereinfachte Einnahmen- und Ausgabenrechnung führen (eine sogenannte Milchbüchlein-Rechnung). 

Alle übrigen Unternehmungen haben das neue Recht gemäss den «Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführung und Rechnungslegung» anzuwenden. Je nach Gesellschaftsgrösse (respektive wirtschaftlicher Bedeutung/Lage) sind zudem weitergehende Angaben in der Jahresrechnung (Lagebericht) oder Darstellung vorzunehmen.

Neue Darstellungs- und Bewertungsvorschriften

Die Vorschriften wurden neu definiert und verschärft. Doch was muss ein Kleinunternehmen dazu beachten? Die Geschäftsvorfälle müssen neu zwingend vollständig, wahrheitsgetreu und systematisch erfasst werden. Jede erfasste Buchung muss mittels Beleg nachgewiesen werden können. Auch besteht eine Aktivierungspflicht (siehe untenstehende Infobox), wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. So müssen beispielsweise angefangene Arbeiten neu zwingend aktiviert werden. Die neuen Darstellungsvorschriften ziehen Anpassungen des Kontenplans nach sich. Bei bexio ist der neue Kontenplan standardmässig hinterlegt.

Fachbegriff erklärt: Aktivierung

Fachbegriff erklärt: Aktivierung

Ein Beispiel: Ein Unternehmer kauft eine Maschine. Diese muss er mit dem Anschaffungswert (= dem Kaufpreis) im Anlagevermögen in seiner Bilanz aufführen.

Aufgrund der neuen Vorschriften ist davon auszugehen, dass zukünftig mehr Transaktionen aktiviert werden. Neu besteht für Vermögenswerte ein faktisches Aktivierungsgebot, sofern

  • a) aufgrund eines vergangenen Ereignis darüber verfügt werden kann
  • b) daraus ein Mittelzufluss wahrscheinlich ist und
  • c) der Wert verlässlich geschätzt werden kann.

Vermögenswerte welche diese Anforderungen nicht erfüllen, dürfen nicht aktiviert werden (so z.B. Gründungskosten).

Erhöhung der Transparenz

Die neuen Transparenzvorschriften führen zu erweiterten Ausweispflichten vor allem im Anhang der Jahresrechnung. Der Anhang nach neuem Recht ist somit sehr umfangreich. Grössere Unternehmungen müssen zusätzlich einen Abschluss nach einem anerkannten Standard erstellen, wie zum Beispiel Swiss GAAP FER (Schweizer Fachempfehlungen zur Rechnungslegung) oder IFRS (International Financial Reporting Standard). Kleinunternehmern wenden sich für diese komplexe Fragen am besten an einen Treuhänder

Steuerliche Vorteile rechtzeitig nutzen

Ziel des Gesetzgebers war eine steuerneutrale Lösung. Warendrittel, Pauschaldelkredere und Einmalabschreibungen sind weiterhin zulässig. Die Bildung von weiteren stillen Reserven, wie zusätzliche Abschreibungen oder Rückstellungen, sind im Einzelfall zu prüfen. Bei guter Planung ergibt sich durch die Gesetzesänderung jedoch keine höhere Steuerbelastung.

* Über Dynamis Treuhand GmbH

* Über Dynamis Treuhand GmbH

Andreas Wüthrich ist Geschäftsführer und Inhaber von Dynamis Treuhand. Der Treuhänder mit eidg. FA berät mit seinem Treuhand- und Beratungsunternehmen in Lenzburg und Zürich KMU-Betriebe in sämtlichen Treuhandangelegenheiten.

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