03.02.2016 | 0 Kommentare

SWOT: Zeitverschwendung oder wertvolles Strategietool?

Gastbeitrag von Raphael Ledergerber *

Auch ein halbes Jahrhundert nach der Erfindung der SWOT-Analyse gibt es noch immer gravierende Missverständnisse und Unklarheiten bezüglich Inhalt und Anwendung. In vielen Unternehmen laufen Workshops so ab: Eine Matrix wird mit S, W, O und T beschriftet. Die Teilnehmer notieren sich Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren, diskutieren und konsolidieren diese dann gemeinsam. Aber was genau wird damit wo im Strategieprozess bezweckt?

SWOT = «Significant Waste of Time»?

In der Beliebigkeit gründet die Gefahr einer «Significant Waste of Time», der reinen Zeitverschwendung. Folgende vier Fehler sind in der Praxis weit verbreitet:

So nicht: Häufige Fehler in der Praxis

So nicht: Häufige Fehler in der Praxis

  • Reines Brainwriting ohne Methodik dahinter: Ganz nach dem Motto «Wir setzen uns jetzt mal zusammen und erarbeiten die SWOT».
  • Fehlerhafte Unterscheidung zwischen internen und externen Faktoren: Die Unterscheidung von Chancen und Stärken, beziehungsweise von Gefahren und Schwächen, führt immer wieder zu Unsicherheiten. Sie sollten stets streng auseinandergehalten werden.
  • Unklare Abgrenzung von Chancen und Gefahren: Die Abgrenzung von Chancen und Gefahren führt immer wieder zu Verwirrungen: Ist beispielsweise «Digitalisierung unserer Wirtschaft» nun eine Chance oder eine Gefahr? Und wie geht man mit solchen Zweischneidigkeiten um?
  • Unklare Einbindung und Nutzen im Strategieprozess: Die Einbindung in den Strategieprozess und der Bezug zu weiteren Strategietools wie beispielsweise die Portfolio- oder Lebenszyklusanalyse ist oft unklar.

In 5 Schritten zur erweiterten SWOT

Wird die Analysematrix zu einer Strategiematrix erweitert, lassen sich die Defizite beseitigen. Was auf den ersten Blick kompliziert aussieht, trägt erheblich zur Einfachheit und Klarheit bei und führt zu einem grösseren direkten Nutzen der SWOT.

1. Platzieren Sie die Stärken und Schwächen horizontal nebeneinander. Dies sind die
    Unternehmensfaktoren.

2. Vertikal dazu führen Sie Chancen und Gefahren untereinander auf. Das sind die
    Umweltfaktoren.

3. Listen Sie die jeweils ca. vier bis zehn wichtigsten Punkte auf und ordnen Sie sie
    nach Relevanz und Wichtigkeit.

4. Leiten Sie nun die folgenden Strategieoptionen ab (z.B. Stärken-/Chancen-Strategie
    aus der Kombination von je einer oder mehreren Stärken und Chancen).

5. Analog bilden Sie Schwächen-/Chancen-, Stärken-/Gefahren- und
    Schwächen-/Gefahren-Strategien.

Mit den abgeleiteten Strategieoptionen bildet die SWOT das Brückenelement zwischen Analyse und Strategie. Ein Beispiel einer erweiterten SWOT finden Sie hier. Auf diese Weise stiftet die SWOT grossen Nutzen und wird zum zentralen Instrument in der Strategieentwicklung.

Besser so: Nutzen der SWOT-Analyse

Besser so: Nutzen der SWOT-Analyse

  • Übersichtliche Zusammenfassung der Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren
  • Priorisierung der zusammengeführten Punkte nach deren Relevanz und Wichtigkeit
  • Kann sowohl für ganze Unternehmen als auch für Teams und Prozesse angewandt werden
  • Optimaler Brückenschlag zwischen Analyse und Strategie
  • Wirksames und effizientes Strategietool – ideal für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung

Wie erleben Sie das? Welche Erfahrung haben Sie mit der Anwendung der SWOT gemacht? Teilen Sie Ihre Meinung und Erfahrung im unten stehenden Kommentarfeld.

* Raphael Ledergerber ist Betriebsökonom FH und hat über 18 Jahre Erfahrung in leitenden Positionen in den Bereichen Strategie, Innovation, Change-Management, Marketing, Verkauf sowie Produkt- und Preismanagement. Heute unterstützt Raphael Ledergerber Unternehmen, sich erfolgreich weiter zu entwickeln – als Sparringspartner, Projektleiter, Berater oder Interimsmanager. Er ist Inhaber von Ledergerber & Partner sowie Verwaltungsrat und Beirat verschiedener KMU und Organisationen.

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